Ärzte Zeitung, 06.04.2016
 

"Kleiner Unterschied" ganz groß

Wenn Mann und Frau krank sind

Die DAK Gesundheit hat Fehltage bei Männern und Frauen untersucht - dabei zeigen sich große Unterschiede. Doch beide waren 2015 im Schnitt häufiger krank als im Vorjahr.

Von Florian Staeck

Wenn Mann und Frau krank sind

Männer melden sich im Schnitt häufiger krank als Frauen (c)Thomas Siepmann - Fotolia

STUTTGART. Männer sind anders krank als Frauen: Die geschlechtsspezifischen Unterschiede von Krankheit hat der Gesundheitsreport der DAK Gesundheit für Baden-Württemberg untersucht, der am Dienstag in Stuttgart vorgestellt worden ist.

Danach gibt es einen signifikanten Geschlechterunterschied beim Krankenstand - bei Frauen betrug dieser im vergangenen Jahr 3,6 Prozent, bei Männern 3,3 Prozent. In fast allen Altersgruppen ist der Anteil der Fehltage bei Frauen höher, nur bei 15- bis 19-jährigen Jugendlichen und bei über 60-Jährigen ergeben sich geringfügig höhere Fehlquoten bei Männern.

 Das IGES-Institut hat für die Kasse AU-Daten von 321.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten im Südwesten ausgewertet. Hinzu kam eine nach eigenen Angaben repräsentative Online-Befragung von bundesweit 5000 Beschäftigten über Einstellungen und Praktiken bei der Krankmeldung. Männer und Frauen sei "von ganz unterschiedlichen Krankheitsprofilen betroffen", sagte Markus Saur, Landeschef der DAK Gesundheit im Südwesten.

Fehltage durch Brustkrebs

So liegen die Fehltage bei Frauen aufgrund von Krebs um 93 Prozent höher als die von Männern, was vor allem durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs bedingt ist. Mit plus 53 Prozent deutlich häufiger sind bei Frauen zudem AU-Tage wegen psychischer Erkrankungen. Bei Männern entfallen je 100 Versicherte 72,7 Fehltage auf die Diagnose Depression (ICD F 32 und F33), bei Frauen sind es dagegen 108 Fehltage.

Umgekehrt bleiben Männer wegen Herz-Kreislauf-Problemen viel häufiger zu Hause als Frauen (plus 86 Prozent): 66 Fehltage je 100 Versicherte bei Männer, dagegen nur 35,5 Tage bei Frauen. Verletzung und Erkrankungen der Haut sind ebenfalls bei Männern viel häufiger Ursache von AU-Tagen (jeweils plus 48 Prozent).

Eine genauere Untersuchung der Daten zeigte, das bei jüngeren Frauen rund die Hälfte des Unterschieds bei Krankschreibungen auf Komplikationen in der Schwangerschaft zurückzuführen sind. So gehen beispielsweise bei den 30- bis 34-jährigen Frauen sieben Prozent der Fehltage auf diese Komplikationen zurück.

AU-Tag - weil das Kind krank ist

Ein anderer Teil des Unterschieds könnte sich durch einen geschlechtsspezifischen Umgang mit Krankheit erklären lassen: Berufstätige Männer suchen im Schnitt vier Mal pro Jahr einen Arzt auf, bei Frauen sind es sieben Mal. Diese Differenz gelte auch dann, wenn Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingte Behandlungen beim Vergleich außen vor bleiben, erklärt die DAK.

Allerdings ergab die Befragung auch, dass jede fünfte Frau sich selbst krank meldet, obwohl tatsächlich ihr Kind krank ist. Bei den Männern gaben nur 11,8 Prozent der Befragten ein solches Vorgehen an. Auch die Zahlen der "Krank für Kind"-Meldungen haben jüngst wieder deutlich gemacht, dass Frauen nach wie vor die größere Last bei der Betreuung kranker Kinder tragen.

Der DAK-Report hat für das vergangene Jahr in Baden-Württemberg mit insgesamt 3,5 Prozent den höchsten Krankenstand seit 16 Jahren ermittelt. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer je Tag ist dabei von 11,5 (2014) auf zuletzt 11,2 Tage gesunken. Im Krankheitsspektrum haben sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr deutliche Veränderungen ergeben.

Der nach wie vor häufigste Grund, zu Hause zu bleiben, sind Muskel-Skelett-Erkrankungen. Hier nahm - gemessen an 100 Versicherten - die Zahl der AU-Tage von 255 auf 264 zu.

 Doch bei Erkrankungen des Atmungssystems registrierte die DAK einen Anstieg der Fehltage um rund 30 Prozent, und zwar von 174 auf 227 Fehltage. Etwas schwächer fällt der Anstieg der AU-Zeiten bei Infektionen aus (plus 18 Prozent). Seit Jahren erstmals leicht gesunken sind Fehltage wegen psychischer Erkrankungen. Je 100 Versicherten kam es 2015 zu 195 AU-Tagen, im Jahr zuvor waren es noch 197 gewesen.

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