Ärzte Zeitung online, 17.02.2017
 

DAK

Jeder fünfte Teenager kennt nicht sein Limit

Kinder, die sich mit zwölf oder 13 Jahren schon einen Rausch antrinken, neigen laut DAK auch als Erwachsene eher zu einem riskanten Alkoholkonsum.

Von Susanne Werner

BERLIN. Die Zahl der jugendlichen Komatrinker ist in den vergangenen 15 Jahren um 128 Prozent gestiegen. Darauf verweist die DAK-Gesundheit. Im Jahr 2000 mussten 9514 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren mit einer Alkoholvergiftung stationär aufgenommen werden. 2015 waren es 21.715 und damit mehr als doppelt so viele. 2014 lag der Wert sogar bei 22.391. "Die Zahl der Rauschtrinker unter Jugendlichen stagniert auf hohem Niveau", sagte Andreas Storm, seit Jahresbeginn Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, bei der Vorstellung einer neuen Studie.

Denn die Zahlen des statistischen Bundesamtes waren für die Krankenkasse der Anlass, die Hintergründe des übermäßigen Alkoholkonsums unter Jugendlichen genauer zu erforschen. Das Forsa-Institut hat dazu 1000 Mütter und Väter mit Kindern zwischen 12 und 17 Jahren befragt. Demnach kennt etwa jeder fünfte Teenager nicht sein Limit beim Alkoholkonsum und hatte sich bereits einmal einen Alkoholrausch angetrunken. Das eigene Zuhause ist der häufigste Lieferant für die Spirituosen. 65 Prozent der Eltern gaben an, dass ihre Kinder leicht an Bier, Wein und Schnaps gelangen könnten.

Zwei Drittel der befragten Mütter und Väter sind sich zwar bewusst, dass sie beim Alkoholkonsum ein Vorbild sein müssten. Dennoch stuften 23 Prozent der Mütter und 39 Prozent der Väter ihr eigenes Trinkverhalten als riskant ein. Unter Experten gilt der Alkoholkonsum dann als riskant, wenn Frauen täglich mehr als ein Glas Bier (0,3 Liter) oder Wein (0,1 Liter), Männer mehr als zwei Gläser trinken. Ein Viertel der Eltern gab zudem an, sich mindestens ein Mal im Monat selbst einen Rausch anzutrinken.

Die größte Gefahr liege, so Storm darin, dass Kinder frühzeitig an Alkohol gewöhnt werden. Zwölfjährige, deren Eltern regelmäßig Alkohol konsumieren, hätten im Erwachsenenalter ein drei Mal höheres Risiko für das Rauschtrinken als Kinder aus Familien, in denen nie Alkohol getrunken wird. Die entscheidende Prägung für das spätere Verhalten finde im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren statt.

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