Ärzte Zeitung online, 03.11.2018

Kassen-Studie

Schulstress trifft ältere Schüler stärker

Immer mehr Jugendliche leiden einer Umfrage zufolge unter Depressionen.

HANNOVER. Schmerzen, Übelkeit, Erschöpfung – Schule und Pausenhof machen Schülern offenbar mehr Stress als gesund ist. In der Folge leiden immer mehr Jugendliche unter Depressionen. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) in Hannover. Bundesweit sind rund 26.000 junge KKH-Versicherte betroffen. Hochgerechnet auf ganz Deutschland wären das rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche.

So litten im Jahr 2017 allein rund 8300 sechs- bis 18-Jährige unter depressiven Reaktionen auf körperliche und seelische Belastungen durch Leistungsdruck und Mobbing in der Schule, teilt die KKH mit. Mit den Schuljahren nimmt der Stress offenbar zu. So gab es bei den 13- bis 18-Jährigen in den vergangenen zehn Jahren eine Zunahme der depressiven Reaktionen um 90 Prozent, so die Umfrageergebnisse.

Ältere Jugendliche leiden auch stärker unter Angst- und Panikattacken. Hier stieg der Wert seit 2007 um 76 Prozent; insgesamt waren 3400 KKH-versicherte Schüler betroffen. Die Folge sind immer öfter diagnostizierte Depressionen und sogar Burn-out. Bei Depressionen von 13- bis 18-Jährigen verzeichnete die KKH in den letzten zehn Jahren den größten Anstieg überhaupt – um 120 Prozent.

Grund für den Stress seien nicht unbedingt die gestiegenen Anforderungen in der Schule, sagte Professor Marcel Romanos, Kinderpsychologe an der Universitätsklinik Würzburg. „Vielmehr werden immer bessere Leistungen erwartet. Normale, durchschnittliche Leistungen werden dagegen oft abgewertet und problematisiert.“

Neben dem Stress spielt auch Mobbing unter den Schülern offenbar eine immer größere Rolle, vor allem Cybermobbing über die sozialen Netzwerke. „Durch die scheinbare Verfremdung der Kommunikation werden Hemmschwellen herabgesetzt und Mobbing kann besonders schnell und breit wirken.“

Schülern müsse klar gemacht werden, dass es genauso schlimm ist, über andere schlecht zu reden wie den Tratsch online zu posten. Handy-Verbote indessen hätten keinen Sinn, meint der Psychologe. „Verbote machen digitale Medien nur noch attraktiver.“ (cben)

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