Ärzte Zeitung online, 17.11.2018

PKV-Zukunftsstrategie

Partner im „Ökosystem Gesundheit“

Kunden erwarten von Privatversicherern moderne Services, so Ex-Gesundheitsminister Bahr.

KÖLN. Die PKV braucht ein anderes Verhältnis zu ihren Kunden, glaubt Daniel Bahr, Vorstand der Allianz Private Krankenversicherung (APKV).

„Als private Versicherer wollen wir nicht Kostenerstatter, sondern Partner im Ökosystem Gesundheit sein“, so der Ex-Bundesgesundheitsminister beim 23. Kölner Versicherungssymposium der Technischen Hochschule Köln.

Die Erwartungen der 20- bis 40-Jährigen – die zentrale Zielgruppe für die Neukundengewinnung in der Vollversicherung – seien geprägt durch die Erfahrungen im Internet und mit sozialen Medien. Die Dinge müssten einfach und verständlich sein, die Kunden wollen bei einem Anbieter alles erledigen können und ein Gemeinschaftsgefühl haben.

„Das ist eine enorme Transformation für uns als PKV“, sagte Bahr. Kunden, die bei Amazon Prime innerhalb weniger Stunden ein Produkt geliefert bekämen, könnten nicht verstehen, dass sie in der PKV eine Rechnung einreichen und dann eine Woche auf die Erstattung warten müssen.

Die Rechnungsabwicklung in der PKV sei einer der wesentlichen Gründe, warum Versicherte lieber in der GKV blieben, so Bahr.

Die Kunden seien es auch gewohnt, zusätzliche Services zu erhalten. Die APKV biete ihren Versicherten seit drei Jahren die Fernbehandlung durch Ärzte in der Schweiz an.

Mit der elektronischen Patientenakte Vivy wolle der Versicherer die Patienten befähigen, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen, erläuterte der Allianz-Chef.

Der Markt der privaten Vollversicherung stagniert seit Jahren. Bahr weiß, dass sich die Branche anstrengen muss, um die Menschen vom Wechsel in die PKV zu überzeugen. Dafür sieht er gute Argumente.

Anders als in der GKV stünden Innovationen den Versicherten schnell zur Verfügung. Der einmal mit einem Tarif abgeschlossene Leistungskatalog könne zudem anders als in der GKV nicht durch die Politik verändert werden.

O-Ton Bahr: „Ich werde mich immer lieber auf eine Versicherung verlassen als auf einen Gesundheitsminister.“ (iss)

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