Ärzte Zeitung online, 28.12.2018

Litsch sieht TSVG kritisch

600 Millionen Euro für die Katz‘?

Zu viel Geld für Vertragsärzte, viele überflüssige Krankenhäuser? Zum Jahresabschluss hat sich der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands zurückhaltend über Maßnahmen aus der Politik geäußert. Damit stößt er auf Protest.

BERLIN. Der AOK-Bundesverband ist skeptisch, ob das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hilft, die medizinische Versorgung allein durch höhere Vergütung der Ärzte zu verbessern.

„In den ländlichen Regionen haben wir es mit Abwanderung zu tun: Erst schließt der Tante-Emma-Laden, dann die Apotheke, dann geht der Doktor. Dieses Problem haben wir noch nicht gelöst“, sagte der Vorstandvorsitzende Martin Litsch im Interview mit der „Bild“.

Ob die im TSVG eingeplanten 600 Millionen Euro für Vertragsärzte am Ende tatsächlich zu einer besseren Versorgung führen, „ist aber längst nicht garantiert“, so Litsch. Er sprach sich in diesem Zusammenhang für den stärkeren Einsatz von Telemedizin und Videosprechstunden aus.

Jedes vierte Krankenhaus nicht nötig?

Auch zur Krankenhausstruktur äußerte sich Litsch erneut kritisch, vor allem in Ballungsräumen. „Ich denke, dass von unseren knapp 2000 Krankenhäusern in Deutschland sicherlich ein Viertel nicht notwendig ist. Ohne diese Häuser würde kein Versorgungsnotstand ausbrechen“, sagte er weiter im Interview. Im Ruhrgebiet beispielsweise gebe es „an jeder Straßenecke ein Krankenhaus“.

Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, kritisierte die Äußerungen Litschs: „Die Krankenkassen sollten sich vorrangig um ihre eigentliche gesetzliche Aufgabe kümmern, die Versorgung ihrer Versicherten ausreichend zu gestalten. Dass dies schon heute nicht mehr gewährleistet ist, zeigen die gesetzlichen Änderungen, die Gesundheitsminister Spahn auf den Weg bringt.“

„Flächendeckende Versorgung wichtig“

Wenn die Ortskrankenkassen einen Kahlschlag bei der stationären Versorgung forderten, sei das keine verantwortungsbewusste Bewertung der Versorgungslage ihrer Versicherten.

„Alleine die ambulante Notfallversorgung, die Situation der Geburtshilfe und die Überlastungen in den Hauptzeiten der Grippewelle zeigen doch sehr deutlich, dass flächendeckend Krankenhäuser dringend gebraucht werden, um die Daseinsvorsorge sicherzustellen“, so Baum weiter. Krankenhausplanung sei „glücklicherweise Aufgabe der Länder und nicht der Kostenträger“. (ger)

Lesen Sie dazu auch:
Stadt- und Landkreise: Wo es wie viele Krankenhäuser und Klinikbetten gibt

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