Ärzte Zeitung online, 20.05.2014

Tierversuche

Anzeigenkampagne gegen Affenforscher wird gerügt

Mit einer Anzeigenkampagne haben Tierschützer den Bremer Neurobiologen Kreiter heftig angegriffen. Nun springt diesem die Allianz der Wissenschaftsorganisationen bei.

BREMEN. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen hat den Bremer Neurobiologen, Professor Andreas Kreiter, gegen die jüngsten Angriffe von Tierschützern verteidigt.

Der Verein "Tierversuchsgegner Bundesrepublik Deutschland e.V." habe die Persönlichkeitsrechte eines einzelnen Wissenschaftlers in grober Weise verletzt und die gesamte biowissenschaftliche Forschung diffamiert."

Die Tierversuchsgegner hatten Mitte April in mehreren überregionalen Zeitungen ganzseitige Anzeigen geschaltet, in denen sie die Menschenwürde Kreiters in Zweifel ziehen, weil er mit Affen experimentiert. Der Text bezeichnete "Tierexperimentatoren" als "Wesen, die man nicht leichtfertig Menschen nennen sollte".

Diese Anzeige verlasse "in Inhalt und Gestalt eindeutig den Boden einer kritischen, von zulässiger und notwendiger Meinungsvielfalt geprägten gesellschaftlichen Auseinandersetzung", so die Allianz.

Kreiter forscht an der Uni Bremen an den Gehirnen von Makaken. Im Zuge der Aufmerksamkeitsexperimente sind die Tiere vor Bildschirmen fixiert. Am Schluss der Experimente werden die Tiere getötet und die Gehirne untersucht.

Richter: Versuche ethisch vertretbar

"Diese wissenschaftlichen Experimente werden unter strikter Einhaltung des Tierschutzgesetzes durchgeführt und wurden erst im Februar dieses Jahres nach jahrelangem Rechtsstreit vom Bundesverwaltungsgericht als ethisch vertretbar bestätigt", betont die Allianz. Aus gutem Grund unterliege jeder Tierversuch vorab einem aufwendigen behördlichen Genehmigungsverfahren, hieß es.

Auf der Webseite "Spiegel online" hatte der Vorsitzende des Tierschützer-Vereins, Rainer Gaertner, noch einmal nachgelegt: "Es muss in einer Demokratie erlaubt sein, zu hinterfragen, ob jemand, der seit über 30 Jahren aus Neugier Tiere systematisch quält und tötet, nicht den Anspruch auf Menschenwürde verloren hat."

Auch der Rektor der Bremer Uni, Bernd Scholz-Reiter, hat die Tierversuchsgegner in einem offenen Brief kritisiert. Kreiter werde "in seiner Menschenwürde angegriffen (…). Mit dieser Ausgrenzung und Entmenschlichung einer Person ist die Grenze zulässiger öffentlicher Meinungsbildung und -äußerung überschritten." (cben)

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