Ärzte Zeitung online, 25.04.2019

DEGUM

Ärzte kritisieren „Kommerz-Baby-Watching“

Nur niedlich ist medizinisch nicht genug: Ultraschallmediziner kritisieren kommerzielles „Baby-TV“.

Ärzte kritisieren „Kommerz-Baby-Watching“

Ultraschall-Untersuchungen in der Schwangerschaft können sehr sinnvoll sein – Baby-TV eher nicht.

© luna / Fotolia

BERLIN „Baby-Watching“ per 3D-Ultraschall im Mutterbauch zum Vergnügen werdender Eltern, ihrer Verwandten und Freunde ist medizinischer Unsinn. Darauf haben Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) am Mittwoch in Berlin verwiesen.

„Dabei wird meist ein 3D- oder 4D-Ultraschall eingesetzt, um das Gesicht, Hände, Füße und gegebenenfalls das Geschlecht des Ungeborenen zu zeigen“, sagte DEGUM-Vizepräsident Dr. Kai-Sven Heling . Ein medizinischer Hintergrund für das „Baby-Fernsehen“ bestehe nicht.

"Oft wenig qualifizierte Anbieter"

Die DEGUM-Vertreter richteten schwere Vorwürfe gegen „oft wenig qualifizierte Anbieter“ von „Baby-TV“. Es bestehe die Gefahr, dass Fehlbildungen oder sonstige Probleme nicht rechtzeitig erkannt würden.

Mit Inkrafttreten der neuen Strahlenschutzverordnung ab Ende 2020 sollen die „Baby-Watching“-Praktiken mit kommerziellem Hintergrund deshalb verboten werden. Diese Verordnung wird von den Ultraschall-Ärzten begrüßt.

Eine allgemeine Kritik an Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft dürfe sich daran allerdings nicht entzünden. „Es gibt keinerlei Erkenntnisse, die einen ultraschallbedingten Schaden am Fötus nachweisen“, sagte Heling. Die ultraschallbasierte Feindiagnostik des Fötus sollte Kassenleistung werden.

Wann ist der Ultraschall sinnvoll?

Über die nichtinvasive Pränataldiagnostik zur Detektion von Trisomien hat der Bundestag vor wenigen Tagen fraktionsoffen diskutiert. Derzeit berät der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) darüber, ob die Tests am Blut der Mutter Kassenleistung werden sollen. Von Ärzteseite wird gefordert, diese Tests verpflichtend mit einer Ultraschalluntersuchung der Nackenfalte des Fötus zu verbinden.

Die Bilder können Hinweise auf das Vorhandensein einer Trisomie 21 liefern – und mehr. „Mehr als die Hälfte relevanter fetaler Fehlbildungen kann dabei frühzeitig erkannt werden“, sagte DEGUM-Vorstand Professor Peter Kozlowski am Mittwoch in Berlin. Das Ersttrimester-Screening sei in allen mütterlichen Altersgruppen, also nicht nur bei einem Alter jenseits von 35, sinnvoll, weil es nicht auf die Erkennung der Trisomien 13, 18 und 21 fokussiert sei, so Kozlowski. (af)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[26.04.2019, 13:52:40]
Thomas Brandmeyer 
Zweierlei mass
Erstaunlicherweise hatten dieselben Ultraschallpäbste wenig Hemmungen, bei Einführung der 3D Sonografie Schwangere stundenlang vorzuführen um die tolle neue Technik zu zeigen.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Es fehlen bis zu 6000 Medizin-Studienplätze pro Jahr

Wenn nicht schnell viele zusätzliche Medizinstudienplätze geschaffen werden, könnte das Versorgungsniveau bis 2035 dramatisch sinken, hat das Zi ausgerechnet. Bei der Rechnung gibt es allerdings eine große Unbekannte. mehr »

Dienstbelastungen die Spitze genommen – eine Zeitenwende?

Eine bessere Arbeitszeitgestaltung sorgt für mehr Planungssicherheit: MB-Chef Rudolf Henke lobt das Verhandlungsergebnis mit den Arbeitgeberverbänden. mehr »

Was ist bei Brustkrebs „Therapiefortschritt“?

Die Versorgung von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs steht zwischen evidenzbasierter Medizin und Nutzenbewertung durch GBA und IQWiG. Die Sinnhaftigkeit neuer Therapien wird dabei mit unterschiedlichen Messinstrumenten geprüft, so Prof. Christian Jackisch aus Offenbach. mehr »