Ärzte Zeitung online, 29.05.2013

116. Ärztetag

Mit dem ÖGD gegen Armut

Armut und Weiterbildung in Hannover

Ein hitziger zweiter Tag ging am Mittwoch für die Delegierten des Ärztetags zu Ende. Das Ärzteparlament stemmte sich gegen Benachteiligung durch Armut. Im Video-Interview erklärt Klaus Schäfer, was sich bei der Prävention ändern muss. Und am Abend gab es Wortgefechte zur Weiterbildung.

Aus Hannover berichten Rebecca Beerheide, Christoph Fuhr und Marco Hübner

18:44 Uhr Heftige Diskussionen um die Novellierung der Weiterbildung: Die Delegierten des 116. Deutschen Ärztetages haben sich am Mittwoch eine teilweise emotionale und harte Debatte zur möglichen obligatorischen ambulanten Pflichtweiterbildung geliefert.

Es kam zu einem offenen Rededuell zwischen KBV-Chef Dr. Andreas Köhler und dem Marburger Bund Vize Dr. Andreas Botzlar. "Nur über unsere Leiche" käme der KBV-Antrag durch, erklärte der MB-Vize. Auch viele Kammerpräsidenten griffen in die Debatte ein.

Der Tag zum Nachhören

Kern des Streites: Die KBV hatte einen Antrag vorgelegt, der in einigen Fächern eine obligatorische ambulante Pflichtweiterbildung vorsieht. Die Debatte wurde am Mittwochabend zunächst auf Donnerstagmorgen vertagt - noch über 20 Delegierte wollten das Wort ergreifen.

Beobachter erwarten eine sehr knappe Abstimmung, da sich auch die niedergelassenen Ärzte unter den Delegierten nicht einig seien in dieser Frage.

Deutlich geräuschloser haben die Delegierten die Novellierung der Fortbildungsordnung beschlossen. "Die Fortbildungsordnung ist mit fünf Seiten und zwölf Paragrafen sehr schlank", sagte Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundesärztekammer und Kammerpräsident von Bayern.

13:20 Uhr Welchen Beitrag jeder einzelne Arzt leisten kann, um die Gesundheitschancen von sozial benachteiligten Menschen zu verbessern, erklärt Klaus Schäfer im Video-Interview mit der "Ärzte Zeitung" (oben).

Der Vizepräsident der Ärztekammer Hamburg betont aber auch: "Die Gesundheitsaufklärung ist grundsätzlich nicht Aufgabe der Ärzteschaft und Krankenkassen, sondern Sache der Politik."

11:41 Uhr Die Delegierten des 116. Deutschen Ärztetags haben einen differenzierten Forderungskatalog verabschiedet, um Gesundheitschancen von sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu verbessern.

"Als Ärzteschaft sehen wir unsere Verantwortung vor allem darin, auf eine Verringerung schichtenspezifischer Unterschiede in den Zugangsmöglichkeiten, in de Inanspruchnahme und Verfügbarkeit gesundheitlicher Leistungen einzuwirken", heißt es in einen einstimmig verabschiedeten Entschließungsantrag.

Die Weichen dafür müssten bereits in der Schwangerschaft und der Kindheit gestellt werden. Zugleich sollen aber auch die Bedürfnisse von Menschen im mittleren und höheren Lebensalter stärker berücksichtigt werden.

Die Delegierten forderten eine Aufwertung des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). Sie plädieren für einen flächendeckenden Erhalt und weiteren Ausbau von ÖGD-Schuluntersuchungen.

Darüber hinaus fordern sie, den ÖGD stärker zu nutzen, um auch den Menschen eine angemessene Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, die durch die Regelversorgung nicht mehr erreicht werden - etwa psychisch Kranke und Drogenabhängige.

11:00 Uhr Der Ärztetag diskutiert heute, am zweiten Beratungstag über das Thema Armut und Gesundheit. Rund zwei Stunden sollen die Delegierten über einen Entschließungsantrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (BÄK) diskutieren.

Darin fordert die BÄK unter anderem die Stärkung des ÖGD bei den flächendeckenden Schuluntersuchungen sowie mehr Informationen über Schwangerschaftsvorsorge bei Frauen aus sozial schwächeren Schichten.

Ebenso begrüßt der BÄK-Vorstand den Entwurf des Präventionsgesetzes der Koalition und die darin enthaltende Stärkung der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Am späteren Vormittag werden die Delegierten die Debatte vom Vortag über die Finanzierung des Gesundheitssystems fortgesetzt.

Am Nachmittag sollen die Beratungen über die Weiterbildungsordnungen beginnen. Hier sind kontroverse Debatten zu erwarten. Die KBV hatte sich bereits am Montag dazu positioniert, ebenso der Marburger Bund.

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