Pflichtweiterbildung in der Praxis

Marburger Bund sieht viele offene Fragen

Die KBV will angehende Fachärzte verpflichten, sechs Monate ihrer Weiterbildungszeit in der Praxis zu absolvieren. Der Marburger Bund will bei diesem Thema nichts überstürzen.

Von Christiane BadenbergChristiane Badenberg Veröffentlicht:
Weiterbildung in der Praxis: Nach Plänen der KBV soll künftig nicht nur in der Allgemeinmedizin ein Teil der Weiterbildungszeit in der ambulanten Medizin erfolgen. Der MB zeigt sich skeptisch bei der Pflichtweiterbildung.

Weiterbildung in der Praxis: Nach Plänen der KBV soll künftig nicht nur in der Allgemeinmedizin ein Teil der Weiterbildungszeit in der ambulanten Medizin erfolgen. Der MB zeigt sich skeptisch bei der Pflichtweiterbildung.

© Klaus Rose

HANNOVER. Beim Thema Pflichtweiterbildung im ambulanten Bereich wird sich zwischen der KBV und dem Marburger Bund kein schneller Konsens herstellen lassen. Die Klinikärzte-Gewerkschaft sieht hier noch viele offene Fragen.

"Wer zahlt? Wer bildet weiter? Wer sorgt für die Plätze?", fragte MB-Chef Rudolf Henke im Vorfeld des Ärztetages auf der Hauptversammlung des Marburger Bundes.

Erst müssten gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, dann Tarif- und Refinanzierungs-Regelungen sowie ein Stresstest. Dann könne über die Weiterbildungsordnung gesprochen werden, so Henke.

Die KBV hatte sich kürzlich in einem Positionspapier für eine sechsmonatige Pflichtweiterbildung über das Fach Allgemeinmedizin hinaus stark gemacht. Allerdings hatte der 115. Deutsche Ärztetag sich klar gegen einen Zwang zur Weiterbildung in Vertragsarztpraxen ausgesprochen.

"Mit aller Macht gegen Einschränkung der Koalitionsfreiheit"

In Gefahr sieht der Marburger Bund auch weiter die Tarifpluralität in Deutschland. Es gebe im Bundestag Kollegen, die sich für das Prinzip "ein Betrieb, ein Tarifvertrag" stark machten, berichtete Henke. Der MB-Chef gehört der CDU-Bundestagsfraktion an.

Das Thema sei immer wieder akut, vor allem, wenn bei der Bahn oder im Flugverkehr gestreikt werde. Mittlerweile hätten die Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Bundesratsinitiativen ins Spiel gebracht, die den Einfluss der Berufsgewerkschaften einschränken sollen.

Die einzige Partei, die sich bislang vehement gegen eine Einschränkung der Tarifpluralität ausgesprochen habe, sei die FDP gewesen, sagte Henke.

Allerdings sei kürzlich auch Hessens FDP-Wirtschaftsminister von dieser Linie abgerückt, weil der Frankfurter Flughafen besonders häufig von Berufsgewerkschaften bestreikt werde.

"Aber wir Ärzte werden uns mit aller Macht gegen eine Einschränkung der Koalitionsfreiheit wehren", kündigte der MB-Vorsitzende an.

Kritik an OECD-Zahlen

Verärgert zeigte sich Henke auch über die immer wiederkehrenden Diskussionen zur Zahl der Klinikbetten. Da würden vor allem von der OECD oft Äpfel mit Birnen verglichen.

So zähle die Organisation für Deutschland 8,3 Betten auf 1000 Einwohner. Damit liege Deutschland nach Japan und Südkorea weltweit auf dem dritten Platz.

Allerdings rechne die OECD hier auch Betten in Rehakliniken und Vorsorgeeinrichtungen mit, die es in anderen Ländern so gar nicht gebe. Würden, wie beim Statistischen Bundesamt, nur die reinen Krankenhausbetten gezählt, läge der Durchschnitt bei 6,1 Betten pro 1000 Einwohner.

Bei dieser Rechnung würde Deutschland hinter Österreich, Ungarn und Tschechien und deutlich näher am OECD-Durchschnitt von 4,9 Betten liegen.

"Das ist Agendasetting mit dem Ziel des Leistungsabbaus für die deutsche Bevölkerung", kritisierte Henke.

Die OECD-Zahlen würden von den Krankenkassen benutzt, um Druck auf die Kliniken auszuüben.

Lesen Sie dazu auch: Streikrecht: Marburger Bund will alle Rechtsmittel ausschöpfen

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