Ärzte Zeitung, 25.04.2013

Kommentar zur Transplantation

Ungesunder Wettbewerb

Von Anno Fricke

Der alte Fuchs Rainer Hess hat zu einem bewährten Mittel der Politik gegriffen, um der Deutschen Stiftung Organtransplantation perspektivisch zu einem besseren Bild in der Öffentlichkeit zu verhelfen: der Einhegung von Konflikten durch Institutionalisierung.

Ob dies etwas hilft, muss auch Hess offen lassen. Wirkung wird sein Gastspiel bei der DSO erst 2014 entfalten, wenn er schon wieder weg sein wird.

Die entscheidende Institution, die Hess für die Imagepflege geschaffen hat, ist der neue medizinische Fachbeirat. Er muss dafür sorgen, dass an der Organspende in Deutschland künftig kein medizinethischer Makel mehr haftet.

Es ist kein Zufall, dass Hess öffentlich darauf dringt, dass Transplantationen nicht mehr vorbereitet werden dürfen, bevor nicht die Hirntoddiagnostik abgeschlossen und der Hirntod bestätigt ist.

Die Neuorganisation der Transplantationsmedizin darf aber bei diesen Selbstverständlichkeiten nicht stehen bleiben. Jetzt müssen auch die von der Spende getrennten Systeme der Organverteilung und der Organverpflanzung auf den Prüfstand.

Um die sinkende Zahl der Spenderorgane konkurrieren in Deutschland 47 Transplantationszentren. Dieser Wettbewerb kann nicht gesund sein.

Institutionalisierung tut not: Der Vorschlag der Chirurgen, die Zahl der Zentren auf sechs übergeordnete und koordinierende Leitstellen zu reduzieren, weist in die richtige Richtung.

Lesen Sie dazu auch:
Organspende: DSO wagt ein bisschen mehr Staat

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Aktionsplan soll Gesundheitskompetenz stärken

15:00Gesundheitsinfos sind in vielfältiger Form der Bevölkerung heute zugänglich. Doch mit der richtigen Einordnung und Umsetzung hapert es oft. Das soll sich ändern. mehr »

Hepatitisviren lauern auf Fingernägeln und Nagelscheren

HBV-Infizierte sollten ihre Nagelscheren nicht mit anderen teilen – offenbar besteht ein Infektionsrisiko. Auch bei Zahnbürsten und Rasierapparaten gilt Vorsicht. mehr »

Infarktgefahr durch schnellen Anstieg von Stickoxiden

Hohe Stickoxidkonzentrationen in der Umgebungsluft können unter anderem das Herzinfarktrisiko erhöhen. Aber auch ein schneller NO-Anstieg scheint gefährlich zu sein. mehr »