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Gewebebericht

Datenlücken bei der Versorgung mit Gewebe

Gesetzliche Meldepflicht wird von einem Teil der Gewebebanken ignoriert. Daher fehlen valide Daten zur Versorgungssituation.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:

BERLIN. Die Praxis der Gewebespende krankt an vergleichbaren Defiziten wie die Organspende. Das geht aus dem dritten Gewebebericht der Bundesregierung hervor.

Versorgungsengpässe hat es im Zeitraum von 2014 bis Ende 2017 dem Bericht zufolge etwa bei Herzklappen gegeben. Bei kardiovaskulärem Gewebe sei oft eine kombinierte Organ- und Gewebespende möglich, „die häufig zu Lasten der Gewebespende“ ausfällt. Befragte Verbände und Fachgesellschaften zeichnen in dem Bericht ein ungeschöntes Bild der Lage. So wird die klinische Kooperation mit Entnahmeeinrichtungen als „mangelhaft“ bezeichnet. Die verantwortlichen Klinik-Mitarbeiter würden das Thema „in Folge von Zeitmangel, Überarbeitung und fehlenden Ressourcen vernachlässigen“. Die Gewebespende falle „zunehmend dem betrieblichen Kostendruck zum Opfer“.

Dessen ungeachtet zieht die Regierung das Fazit, die Versorgung von Patienten mit Gewebe (-zubereitungen) sei „grundsätzlich gewährleistet“. Lokale Engpässe gebe es bei Augenhornhäuten und kardiovaskulärem Gewebe. Auch bei der Datenlage erkennt die Regierung eine positive Tendenz. Allerdings fällt die Bilanz nicht ungetrübt aus. Eigentlich ist jede Gewebeeinrichtung gesetzlich verpflichtet, jährlich einen Bericht dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zu übermitteln.

Dieser muss Angaben zu Art und Menge der entnommenen, aufbereiteten oder anderweitig verwendeten Gewebe enthalten. Bis zum Jahr 2015 betrug die Meldequote 100 Prozent, im vergangenen Jahr waren es nur noch 85 Prozent. Seit Ende Juli vergangenen Jahres können fehlende Meldungen mit einer Geldbuße von 5000 Euro belegt werden.

Denn beim Meldewesen hat sich offensichtlich Laxheit breitgemacht: Entsprechende Berichte blieben trotz Mahnungen aus, Kontaktdaten oder Ansprechpartner wechselten oder die Einrichtung machte dicht, ohne dass das PEI von der zuständigen Landesbehörde informiert wurde.

Als Folge gibt es keine flächendeckenden und validen Daten zur Versorgungssituation mit Gewebe. „Viele der Rückmeldungen sind lückenhaft“, heißt es im Bericht. Generell ist die Zahl der Gewebeeinrichtungen stark gestiegen, seit 2013 nahm ihre Zahl um fast 500 auf 1427 (2017) zu. Aus dem Boden geschossen sind vor allem Einrichtungen, die Nabelschnurgewebe melden. Im Jahr 2013 wurde in 24 Fällen eine entsprechende Entnahme berichtet, im Vorjahr waren es 3907.

Abschließende Zahlen liegen für 2016 vor: Danach gab es insgesamt 35.641 Meldungen, die sich auf Entnahme, Lagerung, Im- oder Export von Gewebe beziehen, vor fünf Jahren waren es knapp 31.000 Meldungen.

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