Ärzte Zeitung, 15.12.2009

Anti-Sturz-Training bei alten Menschen durch Pflegedienste hat sich bewährt

Sturzprävention ist im Nordosten gefragt und offenbar erfolgreich.

Von Dirk Schnack

zur Großdarstellung klicken

Eine Seniorin trainiert an einer Beinpresse ihre Muskulatur.

Foto: dpa

SCHWERIN. Nach Schulungen durch ambulante Pflegedienste fühlen sich die Senioren fitter, hat ein Präventionsprogramm der AOK in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt. "Ausreichend Muskelkraft und ein gutes körperliches Balancegefühl helfen, viele Stürze zu vermeiden. Beides lässt sich bis ins hohe Alter trainieren. Die Sturzprävention leistet einen wesentlichen Beitrag, Selbstständigkeit und Mobilität im Alter zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern", wirbt Friedrich Wilhelm Bluschke, Vorstandsvorsitzender der AOK Mecklenburg-Vorpommern.

Im vergangenen Jahr hatte die AOK ein Weiterbildungsprogramm für ambulante Pflegedienste zur Sturzprävention entwickelt. Es soll Pflegefachkräfte qualifizieren, aktiv in der Sturzvermeidung zu arbeiten. Seit dem Projektstart sind die Pflegefachkräfte von über 170 der landesweit 450 Pflegedienste geschult worden. Die teilnehmenden Pflegedienste erhalten im Anschluss an die Seminare ein Zertifikat, das sie berechtigt, AOK-Versicherte zu Hause zu schulen.

Im ersten Schritt wird das individuelle Sturzrisiko des älteren Menschen eingeschätzt. Dabei wird auf Warnsignale wie etwa Gleichgewichts- und Sehstörungen oder Muskelschwäche geachtet. Als zweiter Schritt folgt mit dem "Anti-Sturz-Training" ein aktives Trainingsprogramm, das die Muskulatur stärkt. Mit dem Bewegungsprogramm sollen Risikofaktoren wie etwa Gangunsicherheiten, mangelnde Standfestigkeit und nachlassende körperliche Wendigkeit oder Muskelkraft positiv beeinflusst werden. Auch bei der Erkennung von Stolperfallen und Gefahrenquellen sind die Pflegefachkräfte behilflich.

Das Training für die Versicherten wird zu Hause angeboten, kann aber auch als Gruppenseminar besucht werden, die AOK übernimmt die Kosten des Kurses. Landesweit haben bislang über 2000 ältere und pflegebedürftige AOK Versicherte an den Schulungen teilgenommen. Nach ersten Auswertungen in den Regionen Uecker-Randow und Neubrandenburg gaben die befragten Patienten an, dass sie kräftiger geworden sind und ihre Koordination verbessern konnten. Die AOK verspricht sich von der Sturzprävention eine geringere Pflegebedürftigkeit der Versicherten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Warum ein Blinddarm auch nach der Op noch Ärger macht

Fälle wiederkehrender Appendizitis nach Appendektomie sind rar. Doch es sind offenbar sogar mehrere Rezidive möglich, wie ein Fall aus den USA zeigt. mehr »

CDU erwägt höhere GKV-Vergütung

Offiziell haben die Koalitionsverhandlungen zwar noch nicht begonnen. Doch: Die Union gibt bereits erste zarte Signale auf einen möglichen Kompromiss beim Ärztehonorar - inklusive einem Ende der Budgetierung. mehr »

Das sind die neuen Paul Ehrlich-Preisträger

Die Paul-Ehrlich-Stiftung ehrt dieses Jahr Forscher für ihre Arbeiten zum Tumor-Nekrose-Faktor mit ihrem mit 120.000 Euro dotierten Preis. Außerdem erkennen sie die Leistung eines Biochemikers zur Erforschung verschiedener Fettzelltypen an. mehr »