Ärzte Zeitung, 20.07.2011

Bremen hat zu viele freie Plätze in Pflegeheimen

BREMEN (cben). Bremer bleiben auch bei Pflegebedürftigkeit überdurchschnittlich häufig in ihren eigenen vier Wänden. Das hat die neue Bremer Pflegestatistik ergeben. Das kleinste Bundesland bietet danach gemessen am Bedarf zu viele stationäre Pflegeplätze an.

Während bundesweit fast ein Drittel aller pflegebedürftigen Menschen in stationären Einrichtungen lebt, ist es in Bremen nur ein Viertel.

"Damit ist trotz eines Anstiegs der pflegebedürftigen Personen in Bremen die Zahl der Menschen in vollstationärer Dauerpflege von 2007 bis 2009 um fünf Prozent auf 5255 Personen gesunken", teilte das Sozialressort mit.

Bundesweit liegt dagegen der Anstieg bei fünf Prozent. Das habe Auswirkungen auf die Belegungsrate in den Einrichtungen des Landes. Die Zahl der freien Plätze ist in den vergangenen zwei Jahren von 522 auf 984 gestiegen. Die Belegungsrate liegt damit nur bei 84 Prozent, in Bremerhaven sogar nur bei 76 Prozent.

Negative Auswirkungen durch das Überangebot

"Wir haben in Bremen fast 1000 stationäre Plätze in Pflegeheimen zu viel. Das Überangebot kann auch negative Auswirkungen für die pflegebedürftigen Menschen haben, denn ein Heim, das zu einem großen Teil leer steht, ist unwirtschaftlich. Einsparungen - auch mit Folgen für die Qualität in der Pflege - sind dann meist unvermeidbar", sagt Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne).

"Wir können - sofern die gesetzlichen Standards eingehalten werden - niemand verbieten, ein Pflegeheim in Bremen zu betreiben. Wir weisen aber alle neuen Interessenten deutlich auf das schon bestehende Überangebot hin."

Stahmann kündigte an, den Ausbau der ambulanten Pflege weiter zu unterstützen. Dazu gehören auch mehr barrierefreie Wohnungen. Stahmann: "Wir wollen auch den Bereich der aufsuchenden Altenarbeit weiter forcieren und sicherstellen, dass die Menschen die bestehenden sozialen Angebote kennenlernen und wahrnehmen können."

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