Ärzte Zeitung online, 27.01.2015

Große Lohnunterschiede

Altenpfleger schauen in die Röhre

Altenpfleger verdienen in allen Bundesländern deutlich weniger als Pflegefachkräfte in Krankenhäusern. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Auftrag des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU).

Von Anno Fricke

Altenpfleger schauen in die Röhre

Deutlich schlechter bezahlt als Pfleger im Krankenhaus: Altenpfleger.

© Stockbyte / Thinkstock

BERLIN. Krankenpfleger verdienen gut, die Löhne in den Altenpflegeberufen hinken hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Auftrag des Pflegebevollmächtigten der Regierung, Karl-Josef Laumann (CDU).

Altenpfleger hätten zudem weniger Möglichkeiten, Vollzeit zu arbeiten, sagte Studienleiter Dr. Holger Seibert vom IAB bei der Vorstellung der Untersuchung am Dienstag in Berlin.

Vor allem im Osten werde die Teilzeit oft erzwungen, weil überhaupt keine Vollzeitstellen angeboten würden.

Klares Nein zu bundeseinheitlichem Tarif

Laumann forderte die Tarifpartner auf, Verhandlungen aufzunehmen, um die Altenpflegeberufe besser zu stellen. Einem bundeseinheitlichen Tarif erteilte er allerdings eine Absage.

Eine komplette Angleichung der Gehälter in Ost und West forderte die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Elisabeth Scharfenberg.

In der Entlohnung der Altenpflegekräfte in Baden-Württemberg und in Sachsen-Anhalt zum Beispiel klaffen enorme Unterschiede (wir berichteten).

Während eine Vollzeitkraft im Südweststaat im Schnitt auf 2725 Euro brutto kommt, geht die Kollegin im Osten mit nur 1743 Euro nach Hause.

Auch in Brandenburg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen verdienen Altenpflegefachkräfte kaum mehr als den in den neuen Ländern geltenden Pflegemindestlohn von 9,40 Euro.

Sie liegen sogar unter dem durchschnittlichen Lohnniveau der Pflegehelfer in Kliniken der alten Länder.

Bundesweit verdienen Altenpfleger, so die Studie, im Schnitt rund 17 Prozent weniger als auf dem Bau und im Handwerk. Noch krasser fallen die Unterschiede im Vergleich mit den Pflegeberufen im Krankenhaus aus.

Große Unterschiede zwischen Ost und West

Krankenpflegefachkräfte in den neuen Bundesländern verdienen knapp 30 Prozent mehr als Altenpfleger. In den alten Ländern sind es immerhin noch 18 Prozent.

Spitzenreiter bei den Löhnen in der Krankenpflege ist das Saarland mit im Schnitt 3293 Euro brutto im Monat. Auch in dieser Kategorie bilden die neuen Länder und Berlin die Schlusslichter.

In Mecklenburg-Vorpommern erhalten Krankenpflegefachkräfte im Schnitt nur 2636 Euro.

Die Erhebung verdeutliche die starken Unterschiede in der Wirtschaftskraft der einzelnen Regionen in Deutschland, kommentierte Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbands Pflege (AGVP), die Ergebnisse der Studie.

Der Mindestlohn dürfe für qualifizierte Arbeit in der Pflege kein Maßstab sein, sagte Gernot Kiefer vom GKV-Spitzenverband.

[28.01.2015, 09:24:09]
Dr. Günter Krause 
der kleingeist regiert weiter
Wenn eine Untersuchung im Auftrag des Pflegebevöllmächtigten der Bundesregierung - Naumann - Ungereimtheiten der Maximaldosis in der Entlohnung von Altenpflegekräften im Ost-West-Gradienten zutage fördert und dann von diesem Herrn die logische Konsequenz verweigert wird, zeigt sich die Kleingeisterei pur.
Altenpflege ist eine mitmenschliche Aufgabe, die Empathie , Kompetenz und Engagement erfordert. Dabei ist der Stand der technischen Produktionsmittel irrelevant! Einzusehen war das Lohngefälle in der Industrieproduktion mit Blick auf Marktfähigkeit und Effizienz. Dass auch hier schreiende Unlauterkeit herrschte - gestützt von Regierungsseite - lasse ich nur angedeutet.
Wir sind also immer noch in einer Voreingenommenheit der Ossi-Wessi-Ideologie, die sich in fast allen gesellschaftlichen Bereichen nun langsam verlieren müsste, selbst aber von einem Hr. Naumann annehmbar immer noch als reanimationspflichtig gesehen wird.
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[27.01.2015, 16:55:28]
Karin Koch 
Pflegeberufe sind unterbezahlt und haben keine Lobbyisten in den Verbänden
Pflegeberufe sind unterbezahlt und haben keine Lobbyisten in den Verbänden. Warum ist Das so?

Eine Erklärung liefert vielleicht das Selbstverständnis von Pflegekräften, welche das Wohl der Patienten - immer über ihr eigenes Wohl stellt.

Damit schaden die Pflegekräfte jedoch - ihren Patienten - weil der Pflegeberuf - in der Bevölkerung/ und in der Presse - oftmals nur noch als "Aufopferung" dargestellt wird.

Warum sollte sich ein Junger Mensch für einen Pflegeberuf entscheiden, wenn er weiss, dass er viel weniger verdienen wird, als ein Facharbeiter in anderen Berufen?
- Wenn er weiss, dass er Menschen in Fliessbandzeit "durchschleussen" muss - ganz egal, wie der einzelne Mensch tickt.
- Wenn er weiss, dass er seine hehren Vorstellungen von "Würde" in die Tonne kicken kann.
- Wenn er weiss, dass er für die Politik nur eine finanzielle Verschiebemasse ist.
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