Ärzte Zeitung, 17.05.2016

Schwerkranke

Stress-Sensor soll für schnelle Hilfe sorgen

Ein neues Sensorsystem soll Stressbelastungen bei Demenz- oder anderen Schwerkranken erkennen helfen.

FREIBURG. Menschen mit einer stark ausgeprägten Demenz oder andere schwer kranke Patienten sind oft nicht in der Lage, in Stresssituationen gezielt Hilfe zu rufen. Um bei den Betroffenen solche Belastungssituationen früh zu erkennen, entwickelt ein Forschungskonsortium unter Leitung der Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg mit "iSenDi" (Intelligentes Sensor- und Monitoringsystem zur Erfassung von Distress) ein System, das bei bettlägerigen Patienten den sogenannten Distress in Form von Schmerz-, Atemnot- oder Angstattacken erkennen und Alarm schlagen soll. Die Entwicklung dieses Systems wird seit April 2016 für drei Jahre durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,96 Millionen Euro gefördert. Insgesamt sind acht Partner aus Hochschule, medizinischer Versorgung und Industrie beteiligt.

Mit einer kaum wahrnehmbaren, unter dem Bettlaken platzierten Sensormatte sollen Vitaldaten wie Herzfrequenz, Atmung und Feuchtigkeit aufgezeichnet werden, heißt es in einer Mitteilung des Universitätsklinikums. Zeigen sich stressbedingte Veränderungen, sollen sofort die Betreuenden informiert werden.

"Die Pflege von Patienten, die nicht selbstständig um Hilfe bitten können, verlangt dem Pflegepersonal und pflegenden Angehörigen eine hohe Aufmerksamkeit ab. Die kann aber in vielen Fällen nur unzureichend sichergestellt werden", wird iSenDi-Verbundleiterin Professor Gerhild Becker, Ärztliche Direktorin der Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg in der Mitteilung zitiert. "iSenDi soll Pflegende und Angehörige entlasten und den Patienten schnellere Hilfe in Stresssituationen bringen - und das gleichermaßen im klinischen Umfeld, in Pflegeheimen und zuhause." Um das zu gewährleisten, soll das System einfach zu handhaben sein.

"Die größte Herausforderung wird sein, dem System den Unterschied zwischen belastendem Stress und normalen Situationen beizubringen", so Projekt-Initiator Dr. Jan Gärtner, Oberarzt an der Klinik für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Freiburg in der Mitteilung. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Ein Anästhetikum zur Behandlung bei schweren Depressionen?

Ketamin - einst als Anästhetikum entwickelt - hat sich in mehreren Studien bei Patienten mit therapieresistenten Depressionen bewährt. Doch: Für Euphorie ist es noch zu früh. mehr »

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wo Patienten ihren Klinikaufenthalt am besten bewerten. Dabei fanden die Analysten interessante Zusammenhänge heraus. mehr »

Darf‘s ein bisschen weniger Zucker sein?

Große Lebensmitteleinzelhändler wollen den Zuckergehalt in ihren Eigenmarken reduzieren. Für Verbraucherschützer ist das allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. mehr »