Ärzte Zeitung online, 19.04.2017
 

AOK-Studie

Pflege zu Hause liegt bei Demenz voll im Trend

Der Pflegereport des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost bestätigt: Mehr Demenzpatienten, mehr Pflege zu Hause.

POTSDAM. Immer mehr Menschen, die an Demenz erkranken, werden zu Hause gepflegt. Der Anteil der Demenzerkrankten schwankt regional extrem stark. Dies zeigen Daten aus dem aktuellen Pflegereport des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (GeWINO) der AOK Nordost. Danach sind 14,6 Prozent der über 60-jährigen Versicherten in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern an Demenz erkrankt. In den vergangenen fünf Jahren ist ihr Anteil um 1,8 Prozent gestiegen.

Den größten Anstieg verzeichnete Brandenburg (von 12,9 auf 15,9 Prozent). Den geringsten Anteil weist Berlin mit 13 Prozent, den höchsten Mecklenburg-Vorpommern mit 16 Prozent auf. Innerhalb der einzelnen Regionen aber schwanken die Quoten stark. Extrem hoch ist der Anteil an Demenzerkrankten in der Stadt Tessin (37,4 Prozent der über 60-jährigen). Im Amt Neustrelitz-Land an der Mecklenburgischen Seenplatte dagegen liegt die Quote nur bei 7,3 Prozent. Deutlich geringere Unterschiede sind in Berlin zu beobachten (zwischen 7,8 Prozent in Friedenau und 21,1 Prozent in Berlin-Buch).

Der Report zeigt außerdem, dass in allen drei Bundesländern mehr als 60 Prozent der Demenzkranken mit Pflegestufe zu Hause gepflegt werden. Diese Form der Betreuung wählen zunehmend mehr Angehörige – in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stieg diese Quote in den vergangenen vier Jahren um 4,8 Prozent, in Brandenburg um 4,1 Prozent.

Rund 30 Prozent der Demenzkranken in den drei Bundesländern im Osten hat noch keine Pflegestufe. GeWINO-Geschäftsführer Professor Thomas Zahn erwartet aber, dass sich dieser Anteil mit Einführung der Pflegegrade in 2017 deutlich erhöhen wird. In der kleinräumigen Analyse des Reports sieht er eine Möglichkeit, besser auf die Herausforderungen des demografischen Wandels in den jeweiligen Regionen reagieren zu können.

Das Institut stellt die Daten kommunalen Sozialpartnern zur Verfügung, damit die Ergebnisse in neuen Versorgungskonzepten berücksichtigt werden können. (di)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »