Ärzte Zeitung online, 21.08.2017
 

Bremen

"Starre Fachkraftquote ist unrealistisch"

Die Fachkraftquote in Pflegeheimen erhitzt in Bremen die Gemüter. Der bpa-Landesverband fordert, die Vorgabe zu überdenken.

BREMEN. Der Bremer Landesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) fordert, im Zweifel die Pflichtquote an Pflegefachkräften in Heimen zu senken. "Die starre Fachkraftquote ist nicht zeitgemäß", teilte der bpa Bremen mit. In Bremen ist in der Pflege eine Fachkraftquote von 50 Prozent vorgeschrieben. Sie muss an der Weser von ausgebildeten Kranken- und Altenpflegern erfüllt sein.

"Aber uns fehlen schlicht die Menschen, die diese Arbeit übernehmen könnten", sagt Hannelore Bitter-Wirtz, bpa-Landesbeauftragte Bremens. Der bpa fordere einen ehrlichen Dialog "über innovative Konzepte in der Pflege statt starrer Fachkraftquote", wie es hieß.

"Eine 50-prozentige Fachkraftquote ist wissenschaftlich nicht unterfüttert; trotzdem legen sich hier in Bremen Träger einen freiwilligen Belegungsstopp auf, wenn sie die Quote unterschreiten", sagt Sven Beyer, Bremer Landesvorsitzende des bpa.

"Dringend benötigte Heimplätze sind dann nicht verfügbar, und die Pflegebedürftigen und ihre Familien haben das Nachsehen. Mit Denkverboten und dem Beharren auf einer inzwischen oftmals unrealistischen Fachkraftquote kommen wir nicht weiter."

Knapp 6000 Plätze zur Dauerpflege

Bremen verfügt laut Sozialbehörde über 5966 Plätze der Dauerpflege. Für die Pflegebedürftigen sind 2187 Vollzeitäquivalente vorgesehen. Von ihnen muss die Hälfte eine Fachkraft sein. Wie schwer diese Quote zu erfüllen ist, zeigt der Alltag: Bundesweit dauere es durchschnittlich sechs Monate bis eine vakante Fachkraftstelle wieder besetzt werden kann, sagt Bitter-Wirz. So auch in Bremen.

Der bpa will deshalb passgenaue Pflegekonzepte für die verschiedenen Häuser und eine Erweiterung des Kreises, aus dem die Fachkräfte kommen dürfen. "Warum gilt eine Medizinische Fachangestellte in der Pflege nicht als Fachkraft, obwohl sie in einer Praxis qualifiziert arbeitet und Spritzen geben und Verbände anlegen darf?", fragt Bitter-Wirtz.

Nun will der bpa auf die Heimaufsicht und die Politik in Bremen zugehen und Konzepte diskutieren. (cben)

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