Ärzte Zeitung online, 18.09.2017

GKV sieht Handlungsbedarf

Zunehmender Bedarf an Alltagsbetreuung

Pflegebedürftige sollen möglichst lange selbstständig zu Hause leben können. Welche Angebote hierzu zur Verfügung stehen, ist allerdings noch zu wenig bekannt, moniert die Gesetzliche Krankenversicherung.

Zunehmender Bedarf an Alltagsbetreuung

Von niedrigschwelligen Betreuungsdiensten profitieren vor allem Menschen im Pflegegrad 1, die ihren Alltag weitgehend noch selbständig bewältigen können, aber stundenweise Unterstützung brauchen.

© Miriam Dörr / stock.adobe.com

BERLIN. Die Angebote der Pflegeversicherung für die Betreuung im Alltag sind Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen noch viel zu wenig bekannt. Der Vorstand des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Gernot Kiefer, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Pflegeversicherung bietet viel – leider sind Leistungen wie die Unterstützung im Alltag noch zu wenig bekannt. Das muss sich ändern: Versicherte und Pflegebedürftige sollten sich gezielt und direkt an ihre Pflegekassen wenden."

Der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes, Peter Pick, ergänzt: "Niedrigschwellige Betreuungsdienste ergänzen die Leistungsangebote der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege." Solche Angebote könnten gerade für Menschen im Pflegegrad 1 eine sinnvolle Unterstützung im Alltag sein. Denn die Betroffenen könnten ihren Alltag noch überwiegend selbstständig meistern. Sie brauchten aber oft stundenweise Unterstützung im Haushalt oder bei der Betreuung. "Ich gehe davon aus, dass der Bedarf an solchen Angeboten steigen wird", sagte Pick.

Hohe Flexibilität je nach Bedarf

Nach Auffassung von Kiefer können Leistungen ambulanter Pflegedienste heute deutlich flexibler als früher in Anspruch genommen werden. "Pflegebedürftige und ihre Angehörigen entscheiden selbst, ob sie verstärkt körperbezogene Pflege abrufen, Hilfe im Haushalt brauchen oder eher Unterstützung im Alltag, um zum Beispiel gemeinsam spazieren zu gehen." All das helfe, Pflegebedürftigen recht lange ein Leben im eigenen Zuhause zu ermöglichen.

Nach den Worten von Jörg Veil, Chef eines dieser ambulanten Pflegedienste mit niedrigschwelligen Betreuungsangeboten, wird sein Unternehmen HomeInstead in diesem Jahr mehr als 40 Millionen Euro Umsatz machen. Im vergangenen Jahr seien es noch 20 Millionen Euro gewesen, sagte Veil. Das aktuell starke Wachstum spiegle auch den zunehmenden Bedarf wider. (dpa)

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[20.09.2017, 09:35:38]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Andrea Gockel
Es ist sehr bedauerlich, dass Sie in ihrem Bericht über den zunehmenden Bedarf an Alltagsbetreuung nicht die Pflegestützpunkte erwähnt haben. Sie haben geschrieben: Versicherte und Pflegebedürftige sollten sich gezielt und direkt an ihre Pflegekasse wenden. Dort fehlen die Pflegestützpunkte - das ist schade. Die Pflegestützpunkte sind kostenlos und unabhängig und die Mitarbeiter kennen sich mit den Angeboten vor Ort gut aus. Ein Pflegestützpunkt setzt sich aus einem Mitarbeiter der Pflegekasse und Mitarbeiter der Kommune zusammen.

Andrea Gockel
Gesundheits- und Pflegestützpunkt 
Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Pflegestützpunkt 

 zum Beitrag »
[19.09.2017, 07:17:34]
Marko Frankowsky 
Es muss kein Pflegedienst sein
Schade dass in dem Bericht auf Pflegedienste verwiesen wird. In immer mehr Bundesländern gibt es zusätzlich Anerkannte Unterstützungsdienste welche sich nur um niederschwellige Betreuung kümmern. Der Kostensatz liegt in der Regel unter dem der Pflegedienste.Leider wurden trotz Mangel in diesem Bereich die Anforderungen fuer Alltagsunterstützungen in NRW ohne Not zum 1.1. verschärft. Sehr zur Freude der Pflegedienstverbaende welchen die Selbststaendigen Alltagsunterstützungen ein Dorn im Auge sind. Und zu Lasten der bestehenden Anbieter und der Klienten. Wartezeiten für Hauswirtschafliche Hilfen von bi zu zwei Monaten sind das Ergebnis.  zum Beitrag »

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