Ärzte Zeitung online, 03.11.2017

15. Gesundheitspflege-Kongress

Tauschbörse für Angehörige: Rückenwind für Pflege?

Leben die alten Eltern weit entfernt, ist deren Unterstützung schwierig. Beim GesundheitspflegeKongress wird eine Online-Tauschbörse für Angehörige vorgestellt.

HAMBURG. Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige setzen meistens voraus, dass die Angehörigen vor Ort leben. Doch die Töchter und Söhne, Schwestern oder Brüder wohnen oft woanders. Sie wollen ihren alten Eltern oder Geschwistern helfen – können es aber nicht aufgrund der räumlichen Distanz.

Ein neues Modellprojekt der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) will Abhilfe schaffen. Die Idee: eine überregionale Tauschbörse für Menschen, die hilfebedürftige Familienmitglieder in einer anderen Stadt haben. Das Projekt "Angehörige im Tausch" (AniTa) wird neben weiteren innovativen Versorgungsansätzen für geriatrische Patienten auf dem 15. Gesundheitspflege-Kongress in Hamburg vorgestellt. Springer Pflege ist Ausrichter des zweitägigen Fachkongresses, der am Freitag seine Pforten für rund 1000 Pflegexperten aus ganz Deutschland öffnet.

"Mit dieser Tauschbörse für Angehörige wollen wir ein bisher ungenutztes Unterstützungspotenzial aufdecken und die Pflegequalität verbessern", sagt Projektleiterin Professor Susanne Busch, Professorin für Gesundheitsökonomie und -management an der HAW. Das Projekt, das im Juli 2017 an den Start gegangen ist, beschränkt sich zunächst auf zwei Modellregionen in Deutschland: im Norden auf Hamburg und den Landkreis Pinneberg, im Süden auf München und den Landkreis Augsburg.

"Ein Sohn in Hamburg, der sich Sorgen macht um seine alte Mutter in München, kann sich mit Menschen in München in Verbindung setzen, die wiederum pflegebedürftige Angehörige in Hamburg haben", erklärt Linda Cording, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HAW. Der Kontakt läuft über eine Online-Plattform, die HAW-Wissenschaftler zurzeit entwickeln. Wenn beide Familien in ihren Bedürfnissen und Erwartungenzueinander passen, können Angehörige der einen Familie sich um das hilfsbedürftige Familienmitglied der anderen kümmern. "So haben beide Familien einen Ansprechpartner vor Ort", so Cording.

Weitere Schwerpunkte des Kongresses sind etwa Führung im 21. Jahrhundert, interprofessionelle Zusammenarbeit oder Palliative Care. Für Patienten und pflegende Angehörige hält der Kongress ein Forum bereit mit Vorträgen und Diskussion vor allem zum Pflegestärkungsgesetz III.Springer Pflege kooperiert bei dem Kongress mit renommierten Partnern aus der Region: Außer der HAW sind das die Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Schleswig-Holstein, der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), die Asklepios Kliniken Hamburg GmbH und die Helios Kliniken, Region Nord. (an)

Weitere Informationen und Anmeldung zum

Kongress: Andrea Tauchert, Tel. 030/82787-5513, info@gesundheitskongresse.de, www.gesundheitskongresse.de

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