Ärzte Zeitung online, 31.01.2018

Brandenburg

Pflegefachkräfte entlasten, Zeit sparen

Sind mehr Pflegefachkräfte nötig – oder könnte die Situation entzerrt werden, wenn die bestehenden Fachkräfte entlastet würden? Das will ein Modellprojekt herausfinden.

Von Angela Mißlbeck

POTSDAM. Fachkräfte in Pflegeheimen gewinnen mehr Zeit für die Pflege, wenn sie von Routinetätigkeiten entlastet werden, für die sie überqualifiziert sind. Das ist ein Ergebnis des Modellprojektes für einen besseren Personaleinsatz und mehr Personalentwicklung in Pflegeeinrichtungen in Brandenburg.

Das Projekt hat seit Ende 2015 sechs Pflegeheime in Brandenburg mit finanzieller Unterstützung des dortigen Landesgesundheitsministeriums bei der Entwicklung neuer Strategien wissenschaftlich begleitet. Ziel war es, den Einsatz von Fach- und Hilfskräften effizienter abzustimmen und genormte Tätigkeitsbereiche für beide Berufsgruppen festzulegen. Zugleich sollte das Projekt unter anderem durch Personalentwicklungskonzepte die Pflegequalität verbessern, die Attraktivität der Pflegeberufe erhöhen und den Fachkräftebedarf senken. Es wurde von der BTU Cottbus-Senftenberg und dem Institut für Pflege- und Gesundheitswissenschaft an der Akkon Hochschule in Berlin wissenschaftlich begleitet und soll langfristig allen Pflegeeinrichtungen zugute kommen. Dazu wurden unter anderem Checklisten, Ablaufschemata und Kriterien festgelegt.

"Das Modellprojekt zeigt, dass man zum Beispiel Pflegefachkräfte von gewissen Routineaufgaben entlasten kann, damit sie mehr Zeit für die tatsächliche Pflege haben", sagte Brandenburgs Gesundheits- und Sozialministerin Diana Golze (Linke).

Besonders Fachkräfte mit einer längeren Ausbildung beklagen nach ihren Worten, dass sie zu viel Arbeitszeit für Tätigkeiten aufwenden müssten, für die sie eigentlich überqualifiziert seien.

Die Ministerin fordert auch, dass die Vollzeitquote in Pflegeeinrichtungen dringend erhöht werden muss. Den Angaben zufolge arbeiten derzeit nur 32 Prozent der Brandenburger Pflegekräfte in Vollzeit. Insgesamt 34.648 Beschäftigte verzeichnete die Altenpflege in Brandenburg im Jahr 2015 – 71 Prozent mehr als zehn Jahre vorher.

Laut Landesgesundheitsministerium müsste die Zahl der Beschäftigten in der Altenpflege in Brandenburg bis zum Jahr 2040 auf insgesamt 57.880 steigen, wenn der Pflegebedarf im gleichen Maß zunimmt wie zuletzt. An den 18 Altenpflegeschulen des Landes haben im Oktober 2017 insgesamt 813 Menschen eine Ausbildung begonnen. 2016 waren es 730 Auszubildende.

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[01.02.2018, 12:29:50]
Kurt-Michael Walter 
Neue Erkenntnisse oder "Alter Hut"?

Schön, dass die Arbeitswissenschaft nun auch in der „Pflege-Plan-Wissenschaft/-Wirtschaft" angekommen ist. Im Übrigen ist das ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung damit auch Pflegewissenschaftler / Forscher das Richtige Handwerkszeug anhand bekommen.

Natürlich sind die „Neuen Erkenntnisse“ des beschriebenen Modellprojektes schon seit Jahrzehnten in der Arbeitswissenschaft bekannt und deshalb nichts Neues. Deshalb stellt sich die Frage von welchem Geld werden die Akteure des Modellprojektes bezahlt.

Die Kernprozesse in der Pflege sind bereits von verschiedenen Arbeitswissenschaftlern herausgearbeitet worden und für den wissenschaftlich Arbeitenden („Forscher“) abrufbar.

Fazit: Dass Pflegefachkräfte von gewissen Routineaufgaben entlasten werden können, damit sie mehr Zeit für die tatsächliche Pflege haben, ist unbestreitbar. Es ist Aufgabe der Arbeitgeber die Arbeitsprozesse zu analysieren und Lösungen bei kritischer Würdigung aller Einflussgrößen zu erarbeiten damit die Aufgabe, Kompetenz und Fähigkeit in ein optimales Gleichgewicht gesetzt wird.

Anmerkung: Wer Betagten-Pflege akademisieren will wird feststellen, dass die Pfleger und Pflegerinnen für eine praktische Berufsausübung unterfordert sein werden. Soll dann einem Pflegakademiker/in eine persönliche Pflege-Assistenz zur Hand gehen?


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