Ärzte Zeitung online, 18.06.2018

Pflegenotstand

Verdi-Proteste vor Gesundheitsministern

Diese Woche tagen die Gesundheitsminister in Düsseldorf. Verdi ruft die Pflegekräfte zum Protest auf.

DÜSSELDORF. In den deutschen Krankenhäusern fehlen nach Berechnungen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) rund 80.000 Krankenpfleger. Die drastische Unterbesetzung gehe sowohl zulasten der Patienten als auch des Personals, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler am Montag in Düsseldorf.

Die Gesundheitsexpertin der Gewerkschaft stellte dort eine neue Erhebung vor. Verdi hatte nach eigenen Angaben von Anfang März bis Ende Mai in 166 Krankenhäusern rund 13.000 Beschäftigte nach ihren Schichtplänen befragt und das Stellendefizit auf dieser Basis hochgerechnet.

Der Gewerkschaft zufolge müsste die Zahl der rund 370.000 Pfleger um 22 Prozent erhöht werden, um alle Schichten in den Krankenhäusern ausreichend zu besetzen. Im Vergleich zur letzten Verdi-Erhebung 2013 habe sich das Defizit um weitere 10.000 Stellen verschlechtert, so Bühler.

Am Mittwoch wollen Klinikmitarbeiter aus Anlass der Gesundheitsministerkonferenz (20. bis 21. Juni) in Düsseldorf für mehr Personal in der Kranken- und Altenpflege demonstrieren.

Verdi fordert zudem bundesweite gesetzliche Vorgaben für die Personalausstattung, Sofortprogramme zur kurzfristigen Entlastung der Beschäftigten, eine bessere Bezahlung vor allem in der Altenpflege, ein Ende der Tarifflucht sowie die Abkehr von erzwungenen Teilzeitverträgen und verzögerten Stellenbesetzungen.

Bei ihrer Erhebung hat die Gewerkschaft auch einen Trend zu immer größeren Stationen festgestellt. So hatten 17,7 Prozent aller Stationen 40 und mehr Betten. Die Größe der Intensivstationen sei seit dem Verdi- Nachtdienstcheck im Jahr 2015 von 11,7 auf 14,4 Betten gestiegen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft wies auch daraufhin, dass es immer mehr gemischte Stationen gebe. So würden die Stationen zunehmend mit Patienten unterschiedlichster Fachrichtungen, Krankheitsbilder, Risikofaktoren und Überwachungsbedarfe belegt. (chb/dpa)

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