Ärzte Zeitung, 24.05.2013
 

Pilotprojekt

Patienten sollen Diabetes davonlaufen

In einem bundesweit einmaligen Projekt wollen Hausärzte in Köln übergewichtigen Bewegungsmuffeln Beine machen: 10.000 Schritte lautet das Ziel, das die Patienten pro Tag zurücklegen sollen. Die Ärzte gehen dabei mit gutem Beispiel voran.

Von Ilse Schlingensiepen

Schritt für Schritt zur schlanken Linie

Alle Patienten, die an dem Projekt teilnehmen, erhalten einen Schrittzähler, um ihre tägliche Laufleistung überprüfen zu können.

© [M] Schrittzähler: Illian | maumau-design / fotolia.com

KÖLN. In Köln machen sich Hausärzte mit ihren Patienten auf den Weg nach Rom. Wenn alles gut läuft, schaffen sie die 1400 Kilometer in einem halben Jahr.

Die Reise bleibt zwar virtuell, die körperliche Aktivität aber nicht: 10.000 Schritte am Tag sind das Ziel.

Seit dem 1. Mai nutzen 21 Hausarztpraxen die Vorsorgeuntersuchungen, um mit übergewichtigen und bewegungsarmen Patienten über die positiven gesundheitlichen Effekte von Bewegung zu reden.

Die Praxisteams wollen 200 von ihnen dazu motivieren, sich an einem zweijährigen Pilotprojekt der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo) und der Deutschen Sporthochschule Köln (SpoHo) zu beteiligen.

Mit Schrittzähler unterwegs

Dabei sollen sie ihr tägliches Bewegungspensum auf 10.000 Schritte oder das Äquivalent in anderen Bewegungsarten steigern.

Die Patienten erhalten einen Schrittzähler. Mit Bewegungstagebüchern und Gesprächen werden die Ärzte sie dabei unterstützen, bei der Stange zu bleiben. Patienten in einer Düsseldorfer Kontrollgruppe erhalten nur allgemeine Bewegungsempfehlungen.

Die Evaluation des Projekts durch die Sporthochschule soll zeigen, ob es über die Hausarztpraxen gelingt, eine nachhaltige Verhaltensänderung zu erreichen und chronische Erkrankungen zu verhindern.

"Gerade das enge Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient wird vielen Patienten helfen, erste Hürden bei der Lebensstiländerung zu nehmen", sagte ÄKNo-Präsident Rudolf Henke. Sollte sich die Hoffnung bestätigen, könne das langfristig Einfluss auf das Konzept der Vorsorgeuntersuchungen haben.

"Wir wollen zeigen, dass wir als Ärzte präventionsorientiert sind", betonte Henke - der schon seit Anfang des Jahres den Schrittzähler als ständigen Begleiter hat.

Hausärzte gehen als gute Beispiele voran

Patienten wüssten häufig, dass sie ihr Verhalten ändern müssen, scheiterten aber an der Umsetzung, sagte die Kölner Internistin Dr. Dorothée Schmitz-Rode. "Genau an diesem Punkt können wir ansetzen." Wichtig sei das motivierende Gespräch, das den Patienten dort abholt, wo er steht.

Die Studie werde zeigen, wie die Beratung beim Arzt sein muss, damit gesunde Menschen bereit sind, ihren Lebensstil zu ändern, sagte Professor Christine Graf vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft der SpoHo. "Wir untersuchen auch, warum sich Patienten weigern mitzumachen."

Die Hausärzte und ihre Teams gehen als gute Beispiele voran. Sie haben ebenfalls Schrittzähler und beteiligen sich an der Kampagne, berichtete Graf.

Im Internet können alle Teilnehmer die zurückgelegte Wegstrecke eintragen. "Ein Arzt hat sogar einen Preis ausgelobt für den, der als Erster in Rom ist."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Praxisteams als Vorbilder

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Überlebensvorteil bei Übergewicht nur ein Trugschluss?

Übergewicht ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, doch wer schon eine entsprechende Erkrankung hat, lebt länger. Stimmt dieses "Adipositas-Paradox" vielleicht gar nicht? mehr »

Digitalisierung – Ärzte zwischen Hoffnung und Ernüchterung

Viele Ärzte im Krankenhaus verbinden mit der Digitalisierung die Hoffnung auf Arbeitserleichterungen. Zugleich beklagen sie mangelhafte Vorbereitung und Umsetzung, so eine Umfrage. mehr »

Oh, Britannia! Was hat der "Brexismus" aus dir gemacht?

Von wegen Tea Time, Queen und Linksverkehr: Nicht nur der Blick der Briten auf die EU hat sich geändert. Umgekehrt blicken auch Menschen weit außerhalb Europas inzwischen mit Unverständnis auf die Insel. mehr »