Ärzte Zeitung online, 13.03.2015

Durch Armut

Kinder hinken in Entwicklung hinterher

Die Gefahr, dass Kinder aus armen Verhältnissen in ihrer Entwicklung - geistig und körperlich - lange vor Beginn der Schule enorme Defizite aufweisen, ist groß. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung.

GÜTERSLOH. Schwach im Deutschen, Probleme beim Zählen, weniger soziale Kontakte: Viele Kinder, deren Familien von Hartz IV leben, hinken in ihrer Entwicklung laut einer Studie bereits im Vorschulalter hinterher.

Demnach weisen sie mehr als doppelt so viele Defizite auf wie Altersgenossen aus gesicherten finanziellen Verhältnissen. Dies zeigt eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung.

So sprechen über 40 Prozent der armutsgefährdeten Kinder nur mangelhaft Deutsch. Geht es den Familien finanziell besser, haben hier nur rund 14 Prozent große Defizite.

Ähnlich sieht es bei Problemen mit der Körperkoordination aus (24,5 zu 14,6 Prozent), dem Umgang mit Zahlen (28 zu 12,4) oder Übergewicht (8,8 zu 3,7).

Auffällig ist auch, dass Kinder mit Armutshintergrund kaum Zugriff auf soziale und kulturelle Angebote haben. Nur 12 Prozent von ihnen lernen ein Instrument. Kinder aus finanziell unabhängigen Familien sind mit 29 Prozent dabei.

Nur 31 Prozent gehen in die Kita

Auch beim Zugang zu einem Sportverein hinkt die Gruppe mit 46 zu 77 Prozent hinterher. Bei der frühkindlichen Bildung sieht es ebenfalls nicht gut aus.

Vor dem dritten Geburtstag gehen nur 31 Prozent der armutsgefährdeten Kinder in eine Kita, bei der anderen Gruppe sind es fast 48 Prozent.

Die Studie weist allerdings daraufhin, dass ein Kita-Besuch kein Allheilmittel ist. Positive Effekte habe die Kita nur, wenn die Gruppen sozial gemischt sind.

Bei Kitas in sozialen Brennpunkten funktioniert das aber nicht. Wenn es einer Kommune nicht gelingt, bei Neuaufnahmen für eine sinnvolle soziale Durchmischung in der Kita zu sorgen, müssen die Ressourcen anders verteilt werden, raten die Autoren.

"Kitas in sozialen Brennpunkten brauchen dann mehr Geld, mehr Personal und mehr Förderangebote", sagt Brigitte Mohn vom Vorstand der Stiftung.

Schuleingangsuntersuchungen analysiert

Für die Studie haben Forscher der Uni Bochum 5000 Schuleingangsuntersuchungen der Jahre 2010 bis 2013 in der Ruhrgebietsstadt Mülheim im Ruhrgebiet analysiert.

Nach Angaben der Gütersloher Stiftung wachsen in Deutschland mehr als 17 Prozent der unter dreijährigen Kinder in Familien auf, die von der staatlichen Grundsicherung leben.

"Das Ergebnis aus Mülheim lässt sich gut auf ganz Deutschland übertragen", sagt Kirsten Witte von der Bertelsmann-Stiftung.

Die Studie habe ganz Mülheim mit seinen sehr unterschiedlichen Quartieren mit sehr niedrigen und sehr hohen Quoten von Hartz-IV-Empfängern in den Blick genommen. (dpa)

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[13.03.2015, 14:25:39]
Dr. Hans-Jürgen Kühle 
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Heute ist Armut mehr ein Zeichen von Bildungsferne, und da könnten KiTas Interesse wecken, wenn sie daran interessiertes und genug Personal hätten. Dafür muss Geld dort ankommen, sonst wird uns die nächste Generation nicht so weiterhelfen, wie wir es brauchen werden! zum Beitrag »

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