Ärzte Zeitung online, 28.09.2015

Im Koalitionsstau

Diabetespläne hängen fest

Traurige Europameisterschaft: Deutschland belegt bei der Zahl der Zuckerkranken weiterhin Platz eins auf dem Kontinent. Der Kampf gegen Diabetes beschäftigt Mediziner und Politiker gleichermaßen - doch es ist Tempo nötig.

BERLIN. Im Januar klang es noch relativ forsch aus der Koalition, dass noch in diesem Jahr die Volkskrankheit Diabetes energisch angegangen werden sollte.

Ein Nationaler Diabetesplan sollte her, wahlweise eine Nationale Diabetesstrategie unter stärkerer Einbeziehung der Länder. Immerhin erscheint die Krankheit mit deutlich zweistelligen Milliardensummen auf der Kostenrechnung des Gesundheitswesens.

Jetzt wird es knapp mit den Versprechungen: Das Thema sei in der politischen Debatte präsent, sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich beim 3. Cognomed-Branchentreff Diabetes am Montag in Berlin. Eingelöst habe die Politik ihre Ansagen jedoch nicht, räumte er ein.

Schwerpunkte der Diabetespläne anderer europäischer Länder bildeten das Sammeln von Daten, Versorgungsforschung, nationale Hilfen für die Regionen, Prävention und Früherkennung, sagte Hennrich.

Auf diesen Feldern könne Deutschland zum Teil bislang auch ohne Plan mithalten. Es bleibe aber bei dem Ziel, einen Diabetesplan oder eine nationale Strategie und länderspezifische Pläne aufs Gleis zu setzen, kündigte Hennrich an.

Diagnosen acht bis zehn Jahre zu spät

Seit 1998 habe sich die Prävalenz von Diabetes um 40 Prozent auf derzeit mehr als sechs Millionen Erkrankte in Deutschland erhöht, berichtete Professor Baptist Gallwitz, neuer Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Er verwies auf Defizite der Diabetes-Versorgung in Deutschland.

So erhielten zu viele Patienten ihre Diagnosen acht bis zehn Jahre zu spät. Nach wie vor komme jährlich es zu 40.000 diabetesbedingten Amputationen, 2000 Menschen erblindeten.

Das Präventionsgesetz, das im Juli in Kraft getreten ist, geht Gallwitz nicht weit genug. Nötig seien auch Steuern auf zucker- und fetthaltige, industriell gefertigte Lebensmittel sowie Standards für die Kita- und Schulverpflegung. (af)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Tödlicher Messerangriff — der Schock sitzt tief

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Hausarzt reagierten Ärztevertreter bestürzt. Wie können Kollegen vor Gewalt geschützt werden? mehr »

Macht Sport so glücklich wie Geld?

Wer moderat Sport treibt, ist seltener unglücklich und kann damit offenbar Gehaltseinbußen von rund 22.000 Euro jährlich emotional kompensieren, so eine US-Analyse. mehr »

Experimentelle Arznei lindert Juckreiz

Forschende der Universität Zürich haben einen neuen Ansatz entdeckt, mit dem sich Juckreiz unterdrücken lässt. In einer Studie linderten sie damit nicht nur akute, sondern auch chronische Beschwerden. mehr »