Ärzte Zeitung online, 14.07.2017
 

Adipositas und Depressionen

Stehen Eltern zu oft auf dem Schlauch?

Vor allem Übergewicht und psychische Probleme bedrohen die Gesundheit der jüngsten Generation. Für Eltern ist es oft schwer, die Symptome zu erkennen.

Von Marco Mrusek

DARMSTADT. Mädchen, die in diesem Jahr geboren werden, können durchschnittlich bis zu 93 Jahre alt werden, Jungen 90 Jahre. Jedes fünfte Mädchen kann sogar die 100-Jahres-Marke erreichen, teilt das Statistische Bundesamt mit.

Dem entgegen stehen als größte Gesundheitsrisiken Übergewicht und psychische Probleme. Das hat die Economist Intelligence Unit im Auftrag von Merck herausgefunden.

Für die Studie hatten die Demoskopen 400 Eltern von fünf- bis 16-jährigen Schulkindern und 101 Lehrer und politische Entscheidungsträger befragt, die an der Unterrichtung von Schulkindern in Gesundheitsfragen beteiligt sind. Die Befragung fand im November und Dezember 2016 in Deutschland, Brasilien, Südafrika, Indien und Saudi-Arabien statt.

Sitzen und Übergewicht gefürchtet

Im Ergebnis erwarten 58 Prozent der Befragten, dass die in der jetzigen Zeit geborenen Kinder einen schlechteren Gesundheitszustand mit 65 haben werden als gleichalte Menschen heute. Ursächlich dafür seien vor allem übermäßiges Sitzen (antworteten 86 Prozent) und Übergewicht (54 Prozent).

Jedoch scheint diese Erkenntnis die eigenen Kinder nicht zu betreffen. Denn betrachtet man nur die Antworten der Eltern, fällt auf, dass lediglich zwei Prozent angaben, ihr eigenes Kind sei übergewichtig oder adipös. Dabei sind nach Angaben der Demoskopen 20 Prozent der Kinder in Deutschland übergewichtig, in Saudi-Arabien sogar 37 Prozent.

Damit einhergehend befürchten 57 Prozent aller Befragten, dass die Kinder eine chronische Krankheit, zum Beispiel Diabetes, entwickeln. 51 Prozent erwarten, dass die Kinder an psychischen Problemen wie Depressionen erkranken. Denn diese würden von den Schulen häufig übersehen, wohingegen Bewegung mehr als früher auf dem Lehrplan stehe.

Dem Robert Koch-Institut zufolge liegt der Anteil der Schüler in Deutschland, die Gefahr laufen, psychisch zu erkranken, bei 20 Prozent – genauso hoch wie der Anteil der übergewichtigen Kinder.

Und das ist nicht nur in Deutschland der Fall, sagt Dr. Michael Yogman von der American Academy of Paediatrics. Verhaltensauffälligkeiten, erklärt er, würden in den USA nur von Übergewicht übertroffen, wenn es um Gesundheitsrisiken für Kinder geht.

Diese Auffälligkeiten zu entdecken sei oft nicht einfach, erläutert Dr. Kevin Dadaczynski von der Universität Lüneburg. Ein Schüler mit Depressionen verhalte sich oft ruhig und unauffällig, sodass die psychischen Probleme oft unentdeckt blieben.

Zur Prävention eigneten sich Initiativen, um Schüler für den Umgang mit Stress und ausreichenden Schlaf zu sensibilisieren, sagt Dadaczynski.

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