Ärzte Zeitung online, 03.06.2019

Nordrhein-Westfalen

Nur noch reine Milch für Schüler

Nordrhein-Westfalen stoppt zum Schuljahresende die Förderung gezuckerter Schulmilchprodukte.

Nur noch reine Milch macht müde Schüler munter

Ein Schluck Kakao: NRW will künftig nur noch reine Schulmilch fördern.

© Brocreative / stock.adobe.com

DÜSSELDORF/BERLIN. Mit Beginn des kommenden Schuljahres wird Nordrhein-Westfalen nur noch reine Schulmilch fördern und dabei über das EU-Schulmilchprogramm ausschließlich ungezuckerte Milchprodukte anbieten, wie es von Seiten des Verbraucherschutz- und des Schulministeriums zur künftigen Ausgestaltung des Schulmilchprogramms heißt.

Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch hatte diesen Schritt mit Blick auf die stete Zunahme adipöser Schüler begrüßt und fordert nun alle Bundesländer auf, ihrer Verantwortung für eine ausgewogene Kinderernährung in den Schulen gerecht zu werden.

Dafür sollten, so ihre Forderung, die offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in allen Schulen verpflichtend umgesetzt werden.

Pflicht zu ausgewogenem Angebot gefordert

Des Weiteren plädiert die Organisation dafür, die Schulen auf ein Vorhalten eines ausgewogenen Essensangebots zu verpflichten – auch an den Kiosken, wo Hausmeister oft unbegrenzte Gewerbefreiheit genössen.

Zudem fordert foodwatch, die Ernährungsbildung müsse unabhängig und frei von wirtschaftlichen Interessen gestaltet werden. Um Fehlernährung vorzubeugen, könnten zum Beispiel Wasserspender und ausgewogene Frühstücksangebote gefördert werden, regen die Verbraucherschützer an.

Im Schulterschluss mit Kinder- und Zahnärzten, Diabetologen und Ernährungswissenschaftlern hatte foodwatch seit Langem darauf gedrungen, die Förderung gezuckerter Schulmilchprodukte bundesweit zu beenden.

Viele Eltern finden tägliche Milch für Kinder wichtig

Mit Nordrhein-Westfalen habe nun das letzte Land angekündigt, die Subvention für gesüßten Kakao zum Ende des Schuljahres auslaufen zu lassen. „Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser hat dem Druck der Milchwirtschaft standgehalten – gut so“, kommentierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

Im September hatte Heinen-Esser zu einem Fachdialog „Fakten zur Schulmilch“ eingeladen. Im Januar folgte das gemeinsam mit der Verbraucherzentrale NRW ausgerichtete wissenschaftliche Symposium „Frühstück macht Schule“ – heraus kam die zentrale Bedeutung, die dem Schulfrühstück beigemessen werde.

Zur weiteren Meinungsbildung hatte das Verbraucherschutzministerium mit Unterstützung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in den zurückliegenden Wochen eine Elternbefragung durchgeführt. Rund 12.000 Eltern – bevorzugt von Grundschulkindern – haben laut Ministerium an der Umfrage teilgenommen.

83 Prozent der Befragten fänden es demnach wichtig oder sehr wichtig, dass ihre Kinder täglich Milch und Milchprodukte bekommen – zum Beispiel beim Schulfrühstück. (maw)

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