Ärzte Zeitung online, 05.09.2018

Thüringen

Immer mehr Heime kooperieren mit Zahnärzten

Die Zahl der Kooperationsverträge von Pflegeheimen mit Zahnärzten wächst. Zufrieden mit der Versorgung der Heimbewohner ist die Barmer aber nicht.

Von Katrin Zeiß

ERFURT. In Thüringen haben inzwischen 160 der 560 stationären Pflegeeinrichtungen Kooperationsverträge mit niedergelassenen Zahnärzten geschlossen. Das hat die Barmer mitgeteilt.

Nach einer Untersuchung der Kasse verfügen damit knapp drei von zehn Pflegeheimen über einen kooperierenden Zahnarzt nach Paragraf 119b SGB, der bei Zahnproblemen der Bewohner in die Einrichtung kommt.

Laut der Kasse profitiert demnach fast ein Viertel der Heimbewohner von zahnärztlichen Leistungen im Zuge solcher Kooperationsverträge. Das gehe aus Abrechnungsdaten der Kasse für das Jahr 2016 hervor. Bundesweit sei dies ein Spitzenwert.

Die zahnärztliche Versorgung im Rahmen solcher Kooperationsverträge klappt in den Ländern unterschiedlich gut. So profitieren beispielsweise im Saarland weniger als fünf Prozent der Heimpatienten davon.

In Thüringen leben nach der amtlichen Statistik mehr als 27.000 Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, in Heimen. Insgesamt sind mehr als 94.000 Thüringer pflegebedürftig.

Spezielle Fortbildungen für Zahnärzte in Thüringen

Von den Kooperationen profitieren vor allem bettlägerige und andere körperlich beeinträchtigte Heimbewohner, die nicht selbst einen Zahnarzt aufsuchen können.

Pflegebedürftige haben häufig Probleme mit schlecht sitzenden Zahnprothesen, was letztlich auch die Ernährung beeinträchtigt, oder mit Zahnfleischentzündungen.

Die Thüringer Landeszahnärztekammer widmet dem Problem seit einigen Jahren verstärkte Aufmerksamkeit, sie bietet etwa spezielle Fortbildungen für Zahnmediziner an.

Seit 2014 können Zahnärzte den Besuch im Pflegeheim zudem höher abrechnen. Damals waren neue und modifizierte Leistungsziffern in die Gebührenordnung eingeführt worden.

Nach Einschätzung von Barmer-Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk mangelt es allerdings an Konsequenz. Zwar profitierten die Pflegeheimbewohner von mehr zahnärztlicher Betreuung und auch von vielen Vorsorgeleistungen. "Aber in Sachen Therapie sind wir noch nicht weitergekommen", kritisierte sie.

Viele Heime haben keine Behandlungsräume

Die Auswertung im bundesweiten Zahnreport der Barmer, der im April vorgestellt wurde, zeige, dass bei mehr als zwei Dritteln der Zahnarztbesuche am selben Tag kein therapeutischer Eingriff erfolge, bei mehr als der Hälfte auch innerhalb der folgenden 90 Tage nicht.

Das liege vor allem an der fehlenden Ausstattung von Heimen, in denen es keine Behandlungsräume gibt. Außerdem lehnten Pflegebedürftige oft auch eine Behandlung ab, hieß es.

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung monierte anlässlich der Veröffentlichung des Barmer-Reports, Kassen informierten ihre Versicherten zu wenig über ihre Ansprüche in der zahnärztlichen Versorgung.

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