Ärzte Zeitung, 01.10.2014
 

Befragung

Hausärzte fühlen sich als Lotsen wohl

In einer qualitativen Befragung ziehen Hausärzte, die lange in der HzV engagiert sind, eine Bilanz: Sie können wieder mehr Lotse sein.

HAMBURG. Hausärzte, die bereits durchschnittlich sechs Jahre am Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung in Baden-Württemberg teilnehmen, profitieren mehrfach von ihrer Einschreibung und können in ihrer Praxis zudem "ganzheitlicher und sehr viel stärker patientenorientiert" arbeiten.

Dies geht aus Ergebnissen einer qualitativen Befragung unter 30 Hausärzten in Baden-Württemberg hervor, die Dr. Katja Götz von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in Hamburg vorgestellt hat.

Die beteiligten Hausärzte haben alle Erfahrungen mit dem HzV-Vertrag gesammelt (im Schnitt 5,9 Jahre) und verfügen auch über einen hohen Anteil eingeschriebener Patienten (67 Prozent).

Befragt wurden Hausärzte im Rahmen eines 45 bis 60 Minuten dauernden Interviews. Insgesamt würdigen die Hausärzte insbesondere die Planungssicherheit, die ihnen die hausarztzentrierte Versorgung bietet und die zu einer höheren Arbeitszufriedenheit führt.

Besonders schätzen sie dabei die geringeren bürokratischen Belastungen, die vereinfachte Abrechnung und die bessere Honorierung.

Gefilterter Zugang zu Fachärzten

Zudem räumen die Hausärzte ein, ihrer Lotsenfunktion besser nachkommen zu können - vor allem durch die Filterung des Zugangs zu Fachärzten über die Selektivverträge nach Paragraf 73c SGB V.

Allerdings funktioniere diese Filterung noch nicht mit allen in den Vertrag eingeschriebenen Facharztgruppen gleich gut.

Patienten profitieren nach Einschätzung von Hausärzten ebenso von einer Einschreibung, sagte Götz. HzV-Patienten nannten diese Vorteile am häufigsten: geringere Wartezeiten, schnellere Termine, das Angebot von Abendsprechstunden.

Besonders schätzen sie das größere Zeitkontingent, auf das sie in der Hausarztpraxis - auch durch den Einbezug der Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (Verah) - bauen können.

Hausärzte stellen unter anderem diese Vorteile heraus: die bessere Versorgung chronisch Kranker und größere Potenziale bei der Prävention. (ras)

[07.10.2014, 08:38:10]
Dr. Wolfgang Bensch 
Dreissig 30! überzeugte HÄ der ersten Stunde dieser Verträge
Na toll, wenn das nicht ein abgerundetes positives Bild ergibt, das natürlich nur so zufällig entstand ... zum Beitrag »
[06.10.2014, 19:35:59]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ich kenne das anders, Herr Kollege Christoph Luyken
Die Reederei ist die jeweilige GKV-Krankenkasse
Der Reederei-Verband ist der Spitzenverband Bund (SpiBu) der GKV-Krankenkassen
Das Individuum mit körperlichen und/oder seelischen Krankheiten ist das Schiff
Der Kopf des Patienten hält sich mit allen seinen Sinnen für den Kapitän
Die Haus- und Fachärzte sind die Lotsen, wenn das Schiff aus dem Ruder läuft
Der Lotsen-Verband sind die KVen und die KBV
Der Hafenmeister ist der Bundesgesundheitsminister
Die Claqueure an der Hafenmole sind selbsternannte "Gesundheits"-Politiker, Öffentlichkeit und meist Medizin-ferne Medien.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[06.10.2014, 12:46:36]
Dr. Christoph Luyken 
Wird ein Schiff nur abwechselnd von Lotsen gesteuert, kommt es zu einem Zickzackkurs, und das Schlingern kann für manche Schiffe zum Unterghang führen
Das Schifffahrtsmodell hat seinen besonderen Charme, deshalb, weil es (ohne Häme oder Diskreditierung eines der Beteiligten) sehr anschaulich die Rollen von Patient, Hausarzt und Gebietsarzt differenziert. Leider wird es immer wieder falsch zitiert
Die Würdigung der Rollen von Hausarzt und Facharzt in einer Weise, welche die Berechtigung bzw. die Notwendigkeit beider Arztgruppen verdeutlicht, ist der Anlaß für diese Metapher.

Leider, ich will nicht spekulieren, ob eine Absicht dahintersteckt, wird das Bild von Presse und Politikern und leider auch gedankenlos von Ärzten immer wieder sinnentstellt zitiert. Vermutlich ausgehend von der saloppen Formulierung "jd. hindurchlotsen", ist der unselige Begriff von der Lotsenfunktion des Hausarztes geprägt worden, der nichts anderes beschreibt, als die Aufgabe, einen Patienten durch die Bürokratie und Hierarchie unseres Gesundheitswesens zu führen.

Wegen der Wortgleichheit wird dabei der Alltagsbegriff "lotsen" unglücklicherweise immer wieder mit dem Bild des Lotsen aus der o.g. Bild (Schifffahrtsmodell) in Zusammenhang und damit durcheinander gebracht.

Richtig geht es so:

Patient = Reeder
Körper/Gesundheit/Krankheit = Schiff
Hausarzt = Kapitän
Facharzt = Lotse

Der Lotse steuert das Schiff (oder hilft dem Kapitän) in Gewässern, in denen der Kapitän sich nicht so gut auskennt (seltene, schwierige Erkrankungen).
Der Reeder vertraut dem Kapitän sein Schiff an. Der Kapitän ist natürlich nicht blind, aber er kann unmöglich in allen Gebieten die Klippen und Untiefen kennen. Deshalb braucht er dort (und nur dort) Rat und Entlastung durch den Lotsen, den Experten für ein Gebiet.
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