Ärzte Zeitung online, 08.11.2017
 

Honorar

HzV knackt zum zweiten Mal Milliarden-Grenze

Die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) ist weiter auf Erfolgskurs. Das berichtet Hausärzteverbandschef Mehl im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Von Raimund Schmid

BAD ORB. Bis Ende 2017 wird mit sämtlichen Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) ein Gesamthonorar in Höhe von 1,15 bis 1,2 Milliarden Euro generiert werden können. Und bis 2019 wird die 1,5 Milliarden-Marke vermutlich erreicht und überschritten.

Dies hat Eberhard Mehl, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hausärzteverbandes, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" bei der practica 2017 in Bad Orb mitgeteilt. Zur Erinnerung: 2015 hatte das HzV-Honorarvolumen noch unter einer Milliarde Euro (970 Millionen) gelegen. Im Jahr 2016 konnte dann erstmals die Milliardengrenze (1,03 Milliarden Euro) überschritten werden.

Flächendeckendes Angebot

580 Einzelverträge und 75 Verbundverträge zur Hausarztzentrierten Versorgung gab es im Jahr 2016 bundesweit – damit konnte sie laut Hausärzteverband fast flächendeckend angeboten werden.

Nach Angaben von Mehl liegt dies vor allem daran, dass die HzV im Jahr 2016 mit 580 Einzelverträgen und 75 HzV-Verbundverträgen fast flächendeckend angeboten werden konnte. Nur in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen hinke man hinterher, wobei den Hausärzten in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen auch lukrative Add-on-Verträge der dortigen KVen zur Verfügung stünden.

In Baden-Württemberg und Bayern könne die HzV inzwischen zusammen rund 3,5 Millionen eingeschriebene Patienten vorweisen. Auf einem guten Weg seien nun auch Nordrhein-Westfalen, Westfalen-Lippe und Hessen.

Auch dort seien mittlerweile fast eine Million Versicherte (Westfalen-Lippe: 450.000, Nordrhein: 270.000 und Hessen: 203.000) eingeschrieben, die Einschreibequoten nähmen in diesen drei Regionen am deutlichsten zu. AOK-Vollversorgungsverträge stünden zudem in Rheinland-Pfalz und im Saarland vor dem Abschluss, sagte Mehl.

Millionen eingeschrieben

In HzV-Verträge sind bundesweit derzeit mehr als 4,5 Millionen Versicherte eingeschrieben. Zusammen mit den Add-on-Verträgen sind es 6,5 Millionen Versicherte. Nachteil der Add-on-Verträge sei jedoch, dass sie auf der gedeckelten Gesamtvergütung ansetzten, so die Kritik vieler Teilnehmer bei der practica.

Allerdings würden viele Hausärzte die Vorteile der HzV immer noch nicht erkennen. Außer den einfachen Abrechnungsmodalitäten sind dies für Mehl insbesondere die höheren Honorare pro Fall. Diese liegen zum Beispiel in Sachsen um 30 Euro und in Bayern gar um 35 Euro höher als der vergleichbare KV-Fallwert. Da mittlerweile auch die KV-Fallwerte in vielen Regionen deutlich angezogen haben, schmälere das den Wechselwillen vieler Hausärzte.

Auch für manche Krankenkasse sei die HzV keine vollwertige Alternative. So sind in den bundesweiten Vertrag der Techniker Kasse von zehn Millionen Versicherten bislang nur 480.000 Teilnehmer und weniger als 10.000 Ärzte eingeschrieben.

Dies liege daran, dass bei der TK mehr jüngere und gesundere Versicherte Mitglied seien. Mehl: "Die größte Geldmenge wird trotz aller Erfolge mit der HzV daher auch in Zukunft immer noch in der KV-Welt bewegt werden."

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