Ärzte Zeitung online, 18.12.2018

Vor Tarifverhandlungen

Marburger Bund fordert deutliche Arbeitsentlastung

Im Vorfeld der Tarifverhandlungen für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern hat der Marburger Bund seinen Forderungskatalog vorgestellt.

BERLIN. Die Arbeitszeit der knapp 55.000 Ärzte in den rund 500 kommunalen Krankenhäusern in Deutschland steht aus Sicht des Marburger Bundes (MB) im Fokus der ab 21. Januar anstehenden Tarifverhandlungen.

Hauptforderung der Ärztegewerkschaft ist eine Erfassung der Arbeitszeit durch vom MB-lizenzierte Systeme. Dabei soll die gesamte Anwesenheitszeit auch als Arbeitszeit gezählt werden.

Manipulationen – wie zum Beispiel das Einrechnen fiktiver Pausen – sollen nicht mehr möglich sein. Die Änderungen sollen ab dem 1. Januar 2019 greifen, so die MB-Forderung.

Darüber hinaus fordert der MB eine lineare Tariferhöhung um fünf Prozent bei einer einjährigen Laufzeit.

Bereitschaftsdienste an Bedingungen knüpfen

Bereitschaftsdienste sollen ab kommendem Jahr nur noch dann angeordnet werden können, wenn im Kalendermonat zwei Wochenenden von Freitagnachmittag bis Montagfrüh komplett arbeitsfrei sind.

Zudem sollen Bereitschaftsdienste an die Bedingung geknüpft sein, dass in den vorangegangenen elf Tagen keine Zehn-Stundenschichten gefahren worden seien, sagte MB-Vorstand Dr. Andreas Botzlar.

Die Bereitschaftsdienste sollen zudem mit einem Aufschlag vergütet werden. Ein Ausgleich in Form von Freizeit soll nicht mehr statthaft sein.

„Die Teilzeitquote der Ärzte in den kommunalen Kliniken ist auf 25,1 Prozent gestiegen“, sagte MB-Vorsitzender Rudolf Henke am Dienstag in Berlin. Grund sei, dass nur über eine solche Hilfskonstruktion die Arbeitsbelastung auf ein erträglich Maß gebracht werden könne, sagte Henke.

Verstöße gegen Regeln der Arbeitskunde

Etliche Krankenhäuser verstießen gegen die Regeln der Arbeitskunde. Die Fluktuation in den ärztlichen Belegschaften habe einen „gewaltigen Umfang“ angenommen, was der Teamleistung schade, sagte Henke.

Schichtarbeit und Schlafmangel, Müdigkeit und Erschöpfung wirkten sich negativ auf die Qualität der Patientenversorgung aus. (af)

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 18.12.2018 um 14:27 Uhr.

Lesen Sie dazu auch:
Verdi berichtet: Künftig erhalten MTA-Azubis an Kliniken ein Gehalt

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Sauerbruch – ein Arzt mit vielen Facetten

Er war bereits zu Lebzeiten ein berühmter Arzt. Das Medizinhistorische Museum der Charité versucht, die vielen Facetten im Leben und Wirken von Ferdinand Sauerbruch zu fassen. mehr »

Gut eine halbe Milliarde Euro mehr Honorar

Ärzte und Krankenkassen haben ihre Honorarverhandlungen für 2020 abgeschlossen. Künftig werden Videosprechstunden besser vergütet. mehr »

Zeitdruck und Kollegen stressen im Büro

Im Vergleich zu den USA oder Japan sind die Arbeitszeiten in Deutschland eher kurz. Doch das heißt nicht, dass es am Arbeitsplatz entspannt zugeht. mehr »