Ärzte Zeitung, 27.03.2014

Kommentar zum Modellprojekt "Dringliche Überweisung"

Bloß ein Papiertiger

Von Andreas Kindel

Mit ihrem Modellprojekt "Dringliche Überweisung" versucht die Kassenärztliche Vereinigung des Saarlandes nur, Schlimmeres für ihre Vertragsärzte zu verhindern.

Denn gerade im kleinen Saarland wären die von Politikern geforderten KV-Vergabestellen für schnelle Facharzttermine tatsächlich nur ein teures Bürokratie-Monster, das die Ärzte auch noch selbst finanzieren dürften.

Doch auch das jetzt gepriesene "Laufzettel"-System von der Saar ist ein überflüssiger Papiertiger. Denn erstens reicht im Saarland ein Anruf von Praxis zu Praxis fast immer aus, um einen eiligen Termin für einen Patienten zu finden - und das erledigen meist schon die Arzthelferinnen.

Zweitens: Was sind denn die eiligen Fälle? Besteht Lebensgefahr, wird der Patient in der Regel gleich ins Krankenhaus geschickt. Viele Untersuchungen können aber durchaus auch mal warten. Übrig bleiben nur die Fälle dazwischen.

Für die braucht man rasch einen Termin - und zwar beim richtigen Facharzt. Den findet keine Vergabestelle und den gibt's nicht per Formular.

Der beste Lotse ist hier der Hausarzt, der seine Facharzt-Kollegen im Umkreis kennt und sie im Zweifel auch mal dazu bringt, für eine wirklich wichtige Untersuchung noch eine halbe Stunde dranzuhängen.

Lesen Sie dazu auch:
Modellprojekt im Saarland: Mittels Laufzettel schneller zum Facharzt

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