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Ärzte Zeitung, 24.06.2015

Schleswig-Holstein

Zoff um Schmerztherapie

Eine Patienteninitiative macht Druck, weil sie die schmerztherapeutische Versorgung im Norden gefährdet sieht. Die KV Schleswig-Holstein will Gespräche mit den Kassen führen.

Von Dirk Schnack

Zoff um Schmerztherapie

Zu lange Wartezeit im Norden? Patient mit Rückenschmerz.

© lofilolo / iStock / Thinkstock

LÜBECK. In Schleswig-Holstein sollen Schmerztherapeuten künftig als eigene Gruppe in der Bedarfsplanung geführt werden. Ziel ist, die Arztsitze für die spezielle Schmerztherapie zu erhalten. Die KV Schleswig-Holstein will dazu Gespräche mit den Krankenkassen führen.

"Wenn der Sitz eines Schmerztherapeuten frei wird, soll dieser auch wieder mit einem Arzt besetzt werden, der an der Schmerztherapie-Vereinbarung teilnimmt", bestätigte die KVSH auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". Dies ist bislang nicht immer so.

So wurde kürzlich ein frei werdender Anästhesie-Sitz eines Schmerztherapeuten in Niebüll von einem Kollegen übernommen, der diese Versorgung nicht anbietet und nun in Kiel arbeitet.

Als Folge hatte die Patienteninitiative SchmerzLos kritisiert, dass die Versorgung an der Westküste weiter ausgedünnt wird.

37 Ärzte machen mit

Landesweit nehmen nach Zahlen der KV in Schleswig-Holstein derzeit 37 Ärzte an der Schmerztherapie-Vereinbarung teil. Darunter sind elf niedergelassene Anästhesisten, die ausschließlich schmerztherapeutisch tätig sind.

Der Rest verteilt sich auf 15 ermächtigte Krankenhausärzte, fünf Nervenärzte, vier Hausärzte und zwei Neurochirurgen. Diese Ärzte erbringen neben der Schmerztherapie auch Leistungen ihres Fachgebietes.

Die Patienteninitiative berichtet von Wartezeiten im ambulanten Bereich, die zum Teil bis zu einem Jahr betragen sollen. Grund: nach ihrer Beobachtung gibt es nicht genügend Schmerzspezialisten. Die Initiative fordert maximale Wartezeiten von vier Wochen.

"Gerade Patienten, die sich an der Schwelle zur Chronifizierung befinden, sollten vom Hausarzt frühzeitig zum Schmerzmediziner überwiesen werden, damit eine drohende Chronifizierung verhindert werden kann", fordert SchmerzLos.

Die Initiative begrüßte die Pläne der KV, für die jedoch der Bedarfsplan geändert werden muss.

Dafür ist Einvernehmen mit den Krankenkassen erforderlich. Im Landesausschuss, in dem die Kassen ebenfalls vertreten sind, wurde die Absicht der KV begrüßt.

Der vor vier Jahren gegründete Verein "SchmerzLos" macht sich stark für die Entwicklung und Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Situation schmerzkranker Menschen.

Ziel ist die Aufklärung der Bevölkerung in Deutschland über Vorbeugung und Behandlung von Schmerzen mit dem Ziel, deren Chronifizierung zu verhindern und Leiden bei bestehenden Schmerzerkrankungen zu lindern.

Der Verein fordert kürzere Wartezeiten für einen ambulanten, tagesklinischen und stationären Therapieplatz und für einen Therapieplatz für ambulante Psychotherapie. Er fordert darüber hinaus Pflichtfortbildungen für Hausärzte, eine Ausweitung der Angebote für Studierende sowie Budgetfreiheit für Schmerztherapie.

Bis zu 28 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen, sechs bis acht Millionen sind dadurch dauerhaft beeinträchtigt. Doch von einer flächendeckenden adäquaten Versorgung dieser Patienten ist Deutschland weit entfernt.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft (DSG) fordert deshalb, dass die Politik dem Thema "Schmerz" Top-Priorität einräumt.

Ziel ist flächendeckende Versorgung

Wie bei den Allgemeinmedizinern gebe es auch in der Schmerztherapie in Ballungszentren meist eine sehr gute Versorgung, in vielen anderen Gebieten sei der hohe Bedarf aber nicht gedeckt, so DSG-Präsident Professor Michael Schäfer .

Die DSG erarbeitet nun einen Schmerzatlas, der für 800 Regionen Bedarf und Angebot der Schmerzversorgung darstellt. Ziel ist - wie in der Palliativmedizin - eine flächendeckende Versorgung.

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