Ärzte Zeitung online, 08.12.2016
 

Studie

"Mangelhaft" für Medikationsplan

Bisher ist auf die meisten Medikationspläne, die Patienten erhalten, offensichtlich kein Verlass. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine aktuelle Versorgungsforschungsstudie aus Westfalen-Lippe.

MÜNSTER. Für die Querschnittsstudie, die kürzlich in der "Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen" veröffentlicht wurde, haben die Apothekerin Isabel Waltering (Universität Münster), Dr. Oliver Schwalbe (Apothekerkammer Westfalen-Lippe) und Professor Dr. Georg Hempel (Universität Münster) die Daten von 500 Patienten, die eine Medikationsanalyse erhielten, ausgewertet.

Die Daten waren ihnen von 127 Apothekerinnen und Apotheker zur Verfügung gestellt worden, die im Rahmen ihrer Ausbildung zum AMTS-Manager eine sogenannte Brown-Bag-Analyse durchführten und dabei die aktuelle Medikation der Patienten mit einer vorhandenen Medikationsliste abglichen.

Keine der 399 Medikationslisten habe für alle Arzneimittel Informationen in den einzelnen Kategorien der bundeseinheitlichen Vorgabe enthalten, heißt es in einer Mitteilung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Lückenhafte Daten

Unter anderem sei zum Beispiel der Fertigarzneimittelname bei 33,8 Prozent der Medikationslisten für alle Arzneimittel angegeben worden, von denen allerdings 41 Prozent nicht mit dem tatsächlich verwendeten Arzneimittel übereinstimmten. Zudem seien Fertigarzneimittelnamen häufig gemischt mit der Wirkstoffbezeichnung aufgelistet worden. Dosierungen fehlten bei 35 Prozent der Arzneimittel und bei 97 Prozent die Einnahmehinweise, bei 80 Prozent fehlte die Arzneiform, bei 95 Prozent die Indikation.

Die lückenhaften Daten waren der Untersuchung zufolge zudem oftmals nicht einmal aktuell: Das Alter der Pläne lag danach im Schnitt bei 4,5 Monaten mit einer Spannbreite von null bis zwölf Monaten. Zwei Monate nach Erstellung stieg die Anzahl der Abweichungen zwischen Plan und tatsächlicher Einnahme bereits um die Hälfte an.

Regelmäßige Aktualisierung nötig

Die Autoren empfehlen daher: "Aktualisiert werden sollten die Pläne sinnvollerweise bei jeder Änderung, aber generell alle drei Monate beziehungsweise einmal im Quartal."

Um den Medikationsplan so einzusetzen, dass alle Beteiligten, besonders aber die Patienten davon profitieren, sei zudem eine interprofessionelle Zusammenarbeit und Nutzung der verschiedenen Kompetenzen unabdingbar. Keine der beteiligten Professionen könne dies alleine bewältigen.

Jede Änderung der Medikation sollte von der jeweiligen Profession umgehend vorgenommen werden. Dazu fordern die Autoren auch eine einfach zu bedienende und vernetzte Software-Lösung auf Basis des einheitlichen patientenbezogenen Medikationsplans. Zugleich sollten Zuständigkeiten sowie Informationswege definiert werden.

Erst vor wenigen Tagen äußerten Ärzte beim Eppendorfer Dialog ihre Enttäuschung über den seit Oktober geltenden Medikationsplan. Sie monierten unter anderem die Vergütung. Apotheker hingegen beklagten die fehlende Beteiligung.

(run)

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