Ärzte Zeitung, 25.01.2017
 

Innovationsfonds

60 Projekte zu Lebensqualität, Patientensicherheit und Pflege

Über 60 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 75 Millionen Euro fördert der Innovationsfonds des GBA in der ersten Tranche. Stark im Vordergrund stehen Patientensicherheit und Lebensqualität, aber auch Kooperationsformen und die Versorgung von Migranten.

Von Helmut Laschet

Patientensicherheit, Lebensqualität und Pflege

Polypharmazie ist einer der Schwerpunkte der vom Innovationsausschuss geförderten Forschungsprojekte.

© TR Design / Fotolia.com

BERLIN. Wenn in zwei bis drei Jahren die ersten Ergebnisse zu den über 60 Forschungsprojekten des Innovationsfonds vorliegen, dann könnten davon auch Hausärzte und ihre Patienten profitieren. Denn etliche Forschungsvorhaben, die auf der vor wenigen Tagen samt einer Kurzbeschreibung veröffentlichten Liste stehen, befassen sich mit täglich in der Praxis vorkommenden Problemstellungen.

Beispiel Patientensicherheit: Die Uni Witten/Herdecke, das AQUA-Institut sowie die Unis Jena, Tübingen, Rostock und Düsseldorf evaluieren eine interprofessionelle Toolbox für eine angemessene und sichere Medikation für Heimbewohner. Beteiligt sind Hausärzte, Pflegekräfte und Apotheker in insgesamt 32 Einrichtungen. Ziele sind die Senkung des Einsatzes potenziell inadäquater Arzneimittel sowie Vermeidung von Stürzen, Hospitalisierung, ungeplanter Hausarztbesuche und Steigerung der Lebensqualität.

Ein weiteres Projekt ist die Übertragung des Fehlermeldesystems CIRS auf die ambulante Versorgung. Ein anderes Projekt, getragen vom Leibnitz-Institut für Präventionsforschung, Wissenschaftlichen Institut der Techniker Krankenkasse und der Charité zielt auf eine Standardisierung der Methoden zur Erfassung von Arzneimitteln in der Schwangerschaft durch Verwendung von Routinedaten.

Unerwünschte Ereignisse

Die Uni Marburg und das Infas-Institut gehen mit einer Umfrage mit 10 000 Teilnehmern über 40 Jahre der Frage nach, in welchem Umfang es in der ambulanten Versorgung zu patientensicherheitsrelevanten unerwünschten Ereignissen (PSI) kommt. Dabei sollen auch Risikofaktoren erforscht werden. Damit soll ein exaktes Bild über die Epidemiologie im ambulanten Sektor geliefert werden.

Lebensqualität: Eine Reihe von Universitäten und das Wissenschaftliche Institut der TK errichten für drei Krebsindikationen – metastasiertes Mammakarzinom, metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom und Multiples Myelom – ein Register, das versorgungsrelevante Daten zum Einsatz neuer Arzneimittel liefert, insbesondere zur Wirksamkeit und Sicherheit sowie zum Patient-Reported Outcome.

Messung der Lebensqualität

Die Uniklinik Hamburg-Eppendorf will ein standardisiertes Instrument zur Lebensqualitätsmessung für Patienten nach Schlaganfall aufbauen. Eingeschlossen werden 975 Patienten, für die eine elektronische Patientenakte eingeführt wird. Zu vier Zeitpunkten binnen zwölf Monaten nach Schlaganfall werden Lebensqualität, Morbidität und Mortalität gemessen.

Das Helmholz-Zentrum München will systematisch die gesundheitsbezogene Lebensqualität von COPD-Patienten ermitteln, die im Rahmen eines DMP behandelt werden. Damit soll auch der DMP-Erfolg besser beurteilt werden können – gegebenenfalls kann das Programm korrigiert werden.

Kooperation/Delegation: In mehreren Projekten werden die Möglichkeiten einer verbesserten Kooperation, der Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen durch qualifiziertes Pflegepersonal evaluiert.

Versorgung von Migranten: Die Unis Leipzig und Hamburg-Eppendorf entwickeln eine Selbsthilfe-App speziell für Migranten mit dem Ziel, vor allem die posttraumatische Symptomatik zu verbessern. Ein Projekt der bbw-Hochschule und der Charité zielt darauf ab, die unangemessene Nutzung der Notfallversorgung durch Migranten einzugrenzen.

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