Ärzte Zeitung, 01.06.2017

Globale Studie

Ja zu Vernetzung, Skepsis beim Sparpotenzial

Eine globale Studie zeichnet ein zwiespältiges Bild: Während Patienten und Ärzte die Dringlichkeit der vernetzten Versorgung sehen, erkennen sie kaum Chancen, damit auch Gesundheitskosten zu senken.

Von Susanne Werner

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Aufwärtstrend: Dass eine vernetzte Versorgung unumgänglich ist, sehen in Deutschland sowohl Ärzte als auch Patienten.

© M.Gove / adobe.stock.de

BERLIN. 80 Prozent der Bevölkerung und 83 Prozent der medizinischen Fachleute halten eine vernetzte Versorgung in Deutschland für wichtig und sehen darin ein hohes Entwicklungspotenzial. Zugleich glauben aber nur jeder fünfte Patient und knapp 40 Prozent des medizinischen Fachpersonals, dass sich mit der modernen Kommunikationstechnik auch Kosten einsparen lassen.

Dieses zwiespältige Bild zeichnet der "Future Health Index 2017". Die globale Studie hat die Firma Philips in Auftrag gegeben und dafür rund 33.000 Bürger, Gesundheitsfachleute sowie Versicherer aus 19 Ländern befragen lassen. Damit soll vor allem erkundet werden, ob und wie sehr die Bevölkerung neue Lösungsansätze im Gesundheitsbereich akzeptieren würde.

Jan Kimpen, Chief Medical Officer bei Philips, beobachtet die "begrenzte Akzeptanz von Technologien zur vernetzten Versorgung" mit Sorge. "Das ist eine der größten Barrieren für die Einführung eines integrierten Gesundheitssystems", sagte er bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Technologien zur vernetzten Versorgung könnten eine geeignete Lösung sein, um die Qualität zu sichern und zugleich Kosten zu reduzieren. Dies sei gerade angesichts des demografischen Wandels und des Personalmangels besonders wichtig.

Kimpen verwies aber auch darauf, dass die meisten Akteure im Gesundheitswesen die Vernetzung von Patienten und medizinischem Fachpersonal für "einen der wichtigsten Treiber zur Optimierung von Kosten und Qualität der Gesundheitsversorgung" halten. Einer der Bereiche, in dem sich dies besonders zeige, ist die Pflege: 68 Prozent des Fachpersonals und 70 Prozent der Befragten sehen die Vernetzung als zentralen Baustein an, um die ambulante Pflege durch Pflegedienste und Angehörige weiterzuentwickeln. Mithilfe von intelligenten technischen Lösungen sei zum einen der Einsatz von Pflegekräften effizienter zu steuern. Zum anderen würde die Technik auch die Betroffenen dabei unterstützen, sich länger in ihrer gewohnten Umgebung selbstständig zu versorgen.

Jeder zweite Deutsche, so heißt es in der Studie weiter, vertraut in das nationale Gesundheitssystem. Verglichen mit den Befragten aus den anderen Ländern liegt Deutschland damit leicht unter dem Durchschnitt von 54 Prozent. Deutlich ausgeprägter ist das Vertrauen in das eigene Gesundheitssystem beispielsweise in Spanien mit 71 Prozent, in Frankreich mit 67 Prozent oder auch in Schweden mit 64 Prozent.

Klar ist für die befragten Deutschen auch, dass das Gesundheitswesen das größte Budget des Staatshaushalts erhalten sollte. Etwa jeder vierte Befragte (28 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen) plädierte dafür, dass die zeitlichen und finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen dabei in präventive Angeboten fließen sollten.

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