Ärzte Zeitung online, 15.03.2018

KIGGS-Studie

Süße Limo bleibt ein dickes Problem

Die Zahl der übergewichtigen oder fettleibigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland steigt nicht mehr an, zeigen neue Daten aus der KIGGS-Studie. Das sind aber nicht nur gute Nachrichten.

Von Anno Fricke

Dicke Kinder kommen oft aus armen Familien

Bunt und süß: So mancher Jugendlicher trinkt viermal pro Tag oder häufiger Cola und Limo.

© Scanrail / Stock.Adobe.com

BERLIN. Übergewicht und Adipositas sind unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiterhin weit verbreitet. Immerhin, ein Anstieg der Prävalenzen scheint gestoppt zu sein.

Das geht aus aktuellen Ergebnissen einer groß angelegten Längsschnittstudie des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hervor.

In der Altersgruppe der Drei- bis Siebzehnjährigen beträgt laut der zwischen 2014 und 2017 erfolgten Untersuchung die Prävalenz für Übergewicht demnach 15,4 Prozent und die für Adipositas 5,9 Prozent. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen gibt es nicht.

In der ersten Datenerhebung der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS) von 2003 bis 2006 hatte die Prävalenz bei 15,0 Prozent bei Übergewicht und 6,3 Prozent bei Adipositas gelegen.

Viele Betroffene stammen aus wirtschaftlich schwachen Familien

KIGGS-Studie

» Mit der ersten KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) von 2003 bis 2006 lagen für Deutschland erstmals repräsentative Gesundheitsdaten für Kinder und Jugendliche vor.

» An Welle 2 nahmen zwischen 2014 und 2017 15 023 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren teil – 7538 Mädchen und 7485 Jungen.

Laut der Untersuchung sind Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen vor allem auf Armut zurückzuführen.

Mädchen und Jungen aus wirtschaftlich schwachen Verhältnissen sind laut der RKI-Studie viermal so häufig von Gewichtsproblemen betroffen wie Kinder und Jugendliche mit hohem sozialökonomischen Status.

"Die positiven Entwicklungen spielen sich in der Ober- und Mittelschicht ab", sagte Professor Bärbel-Maria Kurth vom RKI bei der Vorstellung der Ergebnisse am Donnerstag in Berlin. Den Risikogruppen gehe es nicht besser.

Bewegungsmangel und der Konsum zuckerhaltiger Getränke könnten Ursache für die hohe Zahl zu dicker Kinder und Jugendlicher sein.

Laut der aktuellen KIGGS-Datenerhebung sind weniger als ein Drittel der Jungen (29,4 Prozent) und Mädchen (22,4 Prozent) zwischen drei und 17 Jahren wenigstens eine Stunde am Tag körperlich aktiv. So viel Sport am Tag empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Heranwachsenden.

Trinkverhalten hat sich positiv verändert

Mit zu wenig Bewegung schlagen zuckerhaltige Limonaden und Tees besonders an. Insgesamt rund 17 Prozent der Mädchen und 22,2 Prozent der Jungen stehen auf süße Limo.

17,6 Prozent der Jungen und 13,7 Prozent der Mädchen greifen ein- bis dreimal am Tag zu Cola und Co, zusätzlich 3,3 Prozent der Mädchen und 4,7 Prozent der Jungen schütten die hochkalorischen Brausen jedoch viermal oder öfter pro Tag in sich hinein.

Im Vergleich zur KIGGS-Basiserhebung hat sich das Trinkverhalten der Heranwachsenden positiv verändert. Zwischen 2003 und 2006 gaben noch 28 Prozent der Mädchen und 34 Prozent der Jungen an, ein- oder mehrmals am Tag zum Zucker-Drink zu greifen. Vor allem in armen Milieus hat sich nach RKI-Erkenntnissen jedoch auch hier wenig getan.

Im Vergleich mit den USA sind die Werte in Deutschland moderat. Nach wie vor trinken 61 Prozent der Jugendlichen dort täglich Limonade.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Jung - und für immer krank

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