Ärzte Zeitung, 07.11.2008
 

Beratung statt Regress - hier lauert eine Falle

Ärzte können sich unbewusst die Verteidigung bei einer Richtgrößenprüfung schwer machen

NEU-ISENBURG (juk). Beratung statt Regress - das hört sich für Praxischefs zunächst gut an. Bevor Ärzte eine Beratung durch die Prüfungsstelle akzeptieren, sollten sie aber die Folgen einer solchen Maßnahme kennen.

Wird das Richtgrößenvolumen um mehr als 25 Prozent überschritten, drohen Ärzten normalerweise Regresse. Die Prüfungsstelle kann aus Gründen der Verhältnismäßigkeit jedoch auch entscheiden, dass nur eine Beratung erteilt wird.

Klingt harmlos, ist es aber nicht unbedingt. Darauf weist Arztrechtler Rainer Kuhlen aus Mönchengladbach hin. Denn meistens enthalten die Bescheide der Prüfstelle folgenden Satz: "Insoweit ist die Unwirtschaftlichkeit bewiesen, und es bedarf keiner weiteren Erläuterung."

Akzeptiert der betroffene Arzt die Beratung und legt gegen den Bescheid keinen Widerspruch ein, steht die Unwirtschaftlichkeit seiner Verordnungen fest. Die Folge: Spielen zum Beispiel die Kassen nicht mit und bestehen auf einem Regress statt nur auf einer Beratung, kann sich der Kollege im weiteren Verfahren nicht mehr darauf berufen, dass er doch wirtschaftlich gehandelt hat. "Die verbleibenden Verteidigungsmöglichkeiten wären stark eingeschränkt", so Kuhlen.

Sein Rat an Praxischefs: "Jeder Arzt sollte sorgfältig prüfen, ob er die Beratung akzeptieren kann oder ob er gegen diese Entscheidung Widerspruch einlegt."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gegen Husten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet. mehr »

Erst krebskrank, dann Hypertoniker

Überlebende von Krebserkrankungen in der Kindheit tragen ein erhöhtes Hypertonierisiko: Im Alter von 50 Jahren sind 70 Prozent betroffen. mehr »

Macht das Stadtleben krank?

Stadtluft kann Schizophrenie begünstigen, glauben Wissenschaftler. Ein Chefarzt der Charité fordert deshalb eine Public-Mental-Health-Strategie für urbane Räume. mehr »