Ärzte Zeitung, 09.06.2010

Dringender Besuch, LZ-EKG: Was kommt ins Budget?

Beträchtliche Unterschiede zwischen KVen im neuen Honorarsystem

NEU-ISENBURG (reh/ger). Das neue Honorarsystem für Vertragsärzte nimmt langsam Gestalt an. Die ersten Kassenärztlichen Vereinigungen haben jetzt RLV, Fallwerte und qualifikationsgebundene Zusatzvolumina (QZV) veröffentlicht. Erste Bilanz: Die Unterschiede zwischen den KVen sind beträchtlich.

Dringender Besuch, LZ-EKG: Was kommt ins Budget?

Dringender Besuch? In Bremen ist das nicht budgetiert.

© dpa

Bis zu 25 qualifikationsgebundene Zusatzvolumen (QZV) können Hausärzte nach den Vorgaben des erweiterten Bewertungsausschusses bekommen. In Hamburg haben die Vertragspartner 14 QZV vereinbart, dazu vier QZV, die für Hausärzte mit Schwerpunkt Diabetologie vorgesehen sind. QZV sind, kurz gesagt, zusätzliche Budgets für besondere Leistungen, die in der Regel bisher meist außerhalb der RLV vergütet worden sind.

Die KV Hamburg (KVHH) hat auch bereits die QZV-Werte in Euro und Cent errechnet. Dabei habe man sich eng mit den Berufsverbänden abgestimmt, sagt Walter Plassmann, stellvertretender Vorsitzender der KVHH. Allerdings mit einer Ausnahme: der Hausärzteverband habe sich nicht beteiligt. Demnach gibt es für das QZV-Ergometrie 12 Euro, für das Langzeit-EKG 4,21 Euro, für Dringende Besuche sogar 41,28 Euro.

Ein ganz anderes Bild in Bremen: Dort müssen sich die Hausärzte bei der Egometrie mit 24 Cent und beim Langzeit-EKG mit 9 Cent begnügen. Die KV Bremen (KVHB) hat zudem nur neun QZV gebildet. Dafür werden die Dringenden Besuche außerhalb von RLV und QZV vergütet. Die Unterschiede erklären sich aus unterschiedlichen Berechnungsmethoden. Die tatsächliche Honorierung liegt gar nicht so weit auseinander.

In Bremen werden die QZV-Werte arztfall-spezifisch ermittelt. Das heißt, der QZV-Wert wird mit den RLV-Fallwerten des Arztes aus dem Vergleichsquartal multipliziert. So kommt ein Arzt mit 700 RLV-Fällen in III/2008 bei der Ergometrie auf ein Budget von 168 Euro. In Hamburg hingegen werden die meisten QZV leistungsfall-bezogen vergeben. Der Arzt erhält das QZV also nur für tatsächlich in III/2008 abgerechnete Fälle dieses Leistungsbereichs. Hatte er damals 15 Fälle abgerechnet, so beträgt sein QZV jetzt 180 Euro.
Bei den RLV-Fallwerten fürs dritte Quartal 2010 nehmen sich die beiden KVen übrigens nicht viel: In Bremen beträgt der Fallwert für Hausärzte 36,73 Euro, in Hamburg 35,06 Euro.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
QZV und RLV - die Taschenrechner laufen zuerst in den KVen, dann in den Praxen heiß

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »