Ärzte Zeitung, 03.03.2015

GOÄ-Reform

"Wir sind noch nie so weit gewesen"

Die Ärzteschaft und die PKV kommen bei der GOÄ-Novelle gut voran. Über das Vergütungsniveau lässt sich aber noch nichts sagen, berichtet der Ausschussvorsitzende Dr. Windhorst.

KÖLN. Was die Bewertung der Leistungen in der neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) betrifft, werden sich die Ärzte noch gedulden müssen.

Zwar nimmt die Reform langsam Gestalt an. Doch über das Honorar für die einzelnen Leistungen lässt sich derzeit noch nichts sagen, betont der Vorsitzende des GOÄ-Ausschusses der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Theodor Windhorst. "Wir sind noch nicht in der finalen Bewertung", so Windhorst im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Liegen die Vorschläge der BÄK vor, erhalten zunächst die privaten Krankenversicherer (PKV), die Beihilfe und das Bundesgesundheitsministerium eine Möglichkeit zur Stellungnahme. "Danach werden die wissenschaftlichen Fachgesellschaften einbezogen."

"Die Absicht der Verhandlungspartner, die sprechende Medizin aufzuwerten, bedeute keine Abwertung der technischen Leistungen, stellt Windhorst klar. "Wir arbeiten daran, dass es ein Plus geben wird."

Wie hoch die Steigerung ausfällt, lasse sich aber noch nicht sagen. "Es wird auch künftig Steigerungsmöglichkeiten geben", sagte er.

Das Abrechnungsgeschehen wird sich zwischen einem Mindest- und einem Höchstsatz abspielen. Der 2,3-fache Satz der aktuellen GOÄ wird der Mindestsatz sein, der sogenannte robuste Einfachsatz.

Erste Kapitel ans Ministerium

Am 27. März legen BÄK und PKV-Verband dem Bundesgesundheitsministerium ein Infopaket mit ersten konsentierten GOÄ-Kapiteln vor.

Außerdem geht die "Top 400-Liste" mit den am häufigsten abgerechneten Leistungen ans Ministerium, das die Aufstellung mit 50 weiteren Leistungen aus kleineren Kapiteln ergänzen will, berichtet Windhorst.

Zu den Top 400 - sie entsprechen 300 Positionen der alten GOÄ - gehören etwa die Untersuchungs- und Beratungsleistungen der heutigen Positionen 1, 3, 5 oder 8, der Ultraschall und die Computertomografie.

An dem Treffen werden neben Ärzteschaft und PKV auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Bundespsychotherapeutenkammer und die Bundeszahnärztekammer teilnehmen.

Geplant ist eine gemeinsame Absichtserklärung von BÄK-Chef Professor Frank Ulrich Montgomery und dem Vorsitzenden des PKV-Verbands Uwe Laue.

Ärztekammer und PKV-Verband wollen ihren Part der GOÄ-Arbeit bis 1. Oktober nächsten Jahres abgeschlossen haben.

Mit dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen zeigt sich Windhorst zufrieden. "Wir sind noch nie so weit gewesen wie heute." (iss)

[04.03.2015, 20:09:54]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
„War einmal ein Bumerang (GOÄ)"...
frei nach Joachim Ringelnatz:
„War einmal ein Bumerang (GOÄ);
War ein weniges zu lang.
Bumerang (GOÄ) flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf Bumerang (GOÄ).“

„Wir brauchen zudem ein klares Bekenntnis der Politik zu einer grundsätzlichen Novellierung der ärztlichen Gebührenordnung“, wiederholte BÄK-Präsident und Kollege, Prof. h. c. (HH) Dr. med. Frank Ulrich Montgomery noch Ende 2013 im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt. Es war und ist aber die BÄK s e l b s t, welche die zu ihrer K e r n k o m p e t e n z gehörende Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) jahrzehntelang verschlafen hat:

• GOÄ-Systematik auf dem Stand vom 16.4.1987 (BGBl. I, S. 1218)
• GOÄ-Punktwert-Anhebung in 32 Jahren (1983-2015) um 14 %
• kalkulatorischer Punktwert 10 (1983), 11 (1988), 11,4 Pfennige (1996)
• jährlicher Punktwertanstieg in 32 Jahren durchschnittlich plus 0,44% p. a.

Gleichzeitig hatte die BÄK selbst in aller Seelenruhe zugeschaut, wie es zu überwiegend Facharzt-, Technik- und Labor-lastigen, völlig unkontrollierten Mengenausweitungen mit immer obskureren Analog-Anwendungen bei den GOÄ-Abrechnungen zu Lasten der privat Krankenversicherten, der PKV und der Beihilfestellen gekommen war.

Die e i g e n t l i c h e n Ursachen für das alljährliche BÄK-Possenspiel, eine Einigung mit der PKV über eine neue GOÄ sei geradezu unaufhaltsam vertrags- und unterschriftsreif, liegen ganz woanders: BÄK und LÄKn sind mehrheitlich vom Marburger Bund (mb) dominiert und majorisiert. Der mb vertritt ausschließlich und erfolgreich die Interessen seiner angestellten und beamteten Mitglieder. Damit hat der mb k e i n substanzielles Interesse, die ökonomischen Bedingungen ausgerechnet bei den freiberuflich niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten verbessern zu wollen. Dies würde nicht nur seine eigenen mb-Tarifabschlüsse mindern, sondern zu einem mb-Mitgliederschwund führen, wenn Arzt-Niederlassungen in freier Praxis wieder attraktiver würden.

Deshalb geht mit nunmehr fast 6-jähriger Verspätung jetzt erstmal ein weiteres (un)verbindliches (?) „GOÄ-Informations¬paket" bis 31. März an das Bundesgesundheitsministerium:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61892/Windhorst-GOAe-Informationspaket-soll-bis-31-Maerz-an-das-Ministerium-gehen

Die neue privatärztliche Gebührenordnung, die dann am 1. Oktober 2016 in Kraft treten soll, liegt noch in weiter Ferne. Der BER-Flughafen Berlin-Brandenburg wird wohl eher fertig?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Mauterndorf/A)
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