Ärzte Zeitung, 04.10.2016

Kommentar zu Fallwerten

Bange machen gilt nicht

Von Hauke Gerlof

Was ist ein angemessenes Arzteinkommen? Je nachdem, wie diese Frage beantwortet wird, kann das aktuelle ärztliche Honorar als viel zu niedrig oder sogar als überhöht wahrgenommen werden.

Das aktuell bekannt gewordene Gutachten von 2015 aus dem Institut für Gesundheitsökonomik im Auftrag der KV Bayerns (s. Seite 18) postuliert, dass ein Arzteinkommen zwischen 160.000 und 175.000 Euro angemessen wäre, unabhängig von der Fachgruppe. Daraus ziehen die Autoren den Schluss, dass nach Abzug der Kosten mit den gegebenen Fallwerten kein betriebswirtschaftlich tragfähiges Honorar erwirtschaftet werden könne. Das gelte insbesondere für die grundversorgenden Fachgruppen auf dem Land.

Die Daten, auf denen das Gutachten basiert, sind allerdings nicht ganz taufrisch, die Fallwerte sind bereits innerhalb der beiden untersuchten Jahre 2010 und 2013 deutlich gestiegen und haben sich seitdem weiter nach oben bewegt. Eine aus dem Gutachten abgeleitete Unterdeckung, wonach eine Steigerung der Fallwerte um bis zu 100 Prozent oder gar mehr, je nach Fachgruppe, erforderlich sei, ist allerdings fragwürdig, weil dies politisch nicht durchsetzbar wäre.

Dass die Budgetierung, die immer noch in vielen KVen die Fallwerte deckelt, ärgerlich ist, ist keine Frage. Doch geht es den Ärzten – auch ausweislich des aktuellen Honorarberichts – betriebswirtschaftlich nicht so schlecht, dass Tatarenmeldungen, die letztlich vor allem den Nachwuchs abschrecken, gerechtfertigt wären.

Lesen Sie dazu auch:
Gutachten: Fallwerte für Grundversorger zu niedrig?

[06.10.2016, 11:23:11]
Henning Fischer 
@Johannes Hupfer

Aussage des BÄK-GOÄ-Verhandlungsführers Dr. Reinhard hier vor 2 Tagen:

Aufgrund der einkommensabhängigen Ärztekammerbeiträge wären die Einkünfte der Ärzte noch sehr gut, auch im Vergleich zu anderen Akademikern

Somit:
Kein dringender GOÄ-Handlungsbedarf (nach 30 Jahren Stillstand)?  zum Beitrag »
[06.10.2016, 07:55:36]
Johannes Hupfer 
Einkommen ?
Die Frage muss lauten: Kann ich mir den Betrieb meiner Kassenpraxis noch leisten ?
 zum Beitrag »
[05.10.2016, 12:29:45]
Wolfgang Bensch 
Die Sprengkraft des lange auf Halde liegenden Gutachtens
ist derzeit an den Reaktionen aus den gut dotierten Vorstandsetagen ablesbar, die bekanntlich die Interessen der Kassenärzte vertreten.
Man lese beispielweise den Vorstandsblog bei der KVB:
http://blog.kvb.de/vorstand/2016/10/04/veroeffentlichung-neubauer-gutachten-und-beschluss-der-vertreterversammlung-der-kvb/#comment-2128 zum Beitrag »
[04.10.2016, 22:53:30]
Henning Fischer 
die Kassen bezahlen nur 63% der erbrachten Leistungen

in der PKV gab es in 30 Jahren keine Honoraranpassung

usw, usf.

aber

man kann sein Einkommen steigern, indem man noch mehr arbeitet.

Wie schön

(Aussage des ehemaligen KVWL-Vorsitzenden Thamer: erfreulicherweise konnte ein weiterer Honorarrückgang durch die DMP-Vergütung abgemildert werden)
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