Ärzte Zeitung, 13.01.2017
 

Privatmedizin

Vor allem für niedergelassene Ärzte ein Segen

Der ambulante Bereich profitiert wie kein anderer von dem Mehrumsatz, der durch die privatmedizinische Behandlung erzielt wird, so eine PKV-Studie.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Die niedergelassenen Ärzte profitieren wie kein anderer Bereich des Gesundheitswesens davon, dass die privaten Krankenversicherer (PKV) für ihre Leistungen höhere Preise bezahlen als die gesetzlichen Kassen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP).

Die PKV-Unternehmen haben im Jahr 2014 für die ambulante ärztliche Versorgung ihrer Versicherten insgesamt 10,44 Milliarden Euro ausgegeben, das waren 24,8 Prozent aller Leistungsausgaben. Wenn die Privatversicherten nach den gleichen Vorgaben und Regularien wie in der GKV abgerechnet und versorgt würden, ergäben sich statt dessen Ausgaben in Höhe von 4,45 Milliarden Euro, so WIP-Leiter Dr. Frank Wild. Damit beträgt der Mehrumsatz der PKV bei der ambulanten ärztlichen Behandlung 5,99 Milliarden Euro, das ist deutlich mehr als in den anderen Leistungsbereichen.

Bei der zahnmedizinischen Versorgung liegt der Wert bei 3,22 Milliarden Euro, bei Heilmitteln sind es 1,0 Milliarden Euro. Im stationären Bereich, dem größten Ausgabensektor der PKV, beträgt der Mehrumsatz lediglich 0,69 Milliarden Euro.

"Von den Ausgaben der Privatversicherten für ambulant ärztliche Leistungen waren im Jahr 2014 57,2 Prozent Mehrumsatz", betont Wild. Dieser hohe Anteil ist im Vergleich zu 2013 sogar noch gestiegen. Damals waren es 56,7 Prozent.

Das WIP untersucht bereits seit Jahren den Mehrumsatz der PKV. Er ist für die PKV ein entscheidendes Argument in der Diskussion über das Für und Wider des dualen Krankenversicherungssystems in Deutschland. Ohne den finanziellen Beitrag der Privaten würde das Gesundheitssystem als solches schlechter dastehen, betonten die PKV-Vertreter immer wieder. Damit nutze die PKV auch der GKV und damit der Mehrheit der Bevölkerung. Gleichzeitig hat auch die PKV einen finanziellen Vorteil von der Existenz der GKV: Die gesetzlichen Krankenkassen kommen im Wesentlichen für die Infrastruktur auf.

Die gesundheitliche Versorgung der Privatversicherten hat im Jahr 2014 insgesamt 32,4 Milliarden Euro gekostet, bezahlt durch die PKV, die Beihilfestellen und die Privatversicherten selbst. Wären sie in der GKV versichert gewesen, wären stattdessen laut WIP nur 19,9 Milliarden Euro in das Gesundheitssystem geflossen.

Die Zahlen zeigen, dass die Privatversicherten mit ihren Beiträgen nicht nur den besseren Service bei Ärzten, Kliniken und anderen Leistungserbringern bezahlen, sondern auch die höheren Preise für die Anbieter.

Der für 2014 ermittelte Mehrumsatz von 12,45 Milliarden Euro lag 5,1 Prozent über dem von 2013. Das Institut hatte den Wert erstmals im Jahr 2006 berechnet. Damals betrug er 9,69 Milliarden Euro und hat seitdem fast kontinuierlich zugenommen. "Damit nahm die finanzielle Bedeutung der PKV für das deutsche Gesundheitswesen im Beobachtungszeitraum zu", schreibt Wild.

Nach Angaben des WIP haben sich die Ausgaben der PKV von 2006 bis 2014 mit einem Plus von 32,0 Prozent weniger stark erhöht als die der gesetzlichen Krankenkassen (plus 39,0 Prozent). "Ein besonders großes Wachstum in der GKV im Vergleich zur PKV lässt sich in den Jahren 2009 und 2014 feststellen." Das waren Jahre mit größeren Reformen wie die Einführung des Gesundheitsfonds oder das Versorgungsstrukturgesetz.

Durch den höheren Ausgabenanstieg in der GKV sei der relative Anteil des Mehrumsatzes an den Leistungsausgaben gesunken. "Damit ist es den PKV-Unternehmen gelungen, das Ausgabenwachstum in den letzten Jahren niedriger zu halten als in der GKV", schreibt Wild.

57%

Mehrumsatz beziffert das Wissenschaftliche Institut der PKV für 2014 für den Bereich der ambulanten ärztlichen Behandlungen.

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