Ärzte Zeitung online, 27.02.2017
 

E-Health

EBM-Ziffern für die Videosprechstunde stehen

Noch vor Ablauf der Frist aus dem E-Health-Gesetz können Vertragsärzte zwei neue EBM-Ziffern für Videokontakte abrechnen – allerdings nur für sechs Indikationen.

Von Rebekka Höhl und Hauke Gerlof

EBM-Ziffern für die Videosprechstunde stehen

Noch vor Ablauf der Frist aus dem E-Health-Gesetz können Vertragsärzte zwei neue EBM-Ziffern für Videokontakte abrechnen – allerdings nur für sechs Indikationen.

© [M] Arzt und Laptop: Apops / Fotolia | Screenshot: Ärzte Zeitung

BERLIN. Das E-Health-Gesetz scheint auch die Prozesse im Bewertungsausschuss zu beschleunigen: KBV und GKV-Spitzenverband haben sich jetzt auf die Vergütung der Videosprechstunde geeinigt. Die neuen Positionen gelten bereits ab April – und nicht, wie gesetzlich gefordert, erst ab Juli 2017.

Im Vergleich zu ursprünglichen Plänen (wir berichteten), hat sich die Systematik der Abrechnung nochmals stark geändert. Zwei Leistungen sind vorgesehen, die von 16 Fachgruppen abgerechnet werden dürfen, darunter auch Hausärzte, Pädiater und Internisten:

- Der Technikzuschlag nach GOP 01450 (40 Punkte bzw. 4,21 Euro) wird pro Quartal und Arzt für 47 Videokontakte bezahlt. Der Bewertungsausschuss gehe davon aus, dass eine Kostendeckung für die technische Ausstattung bereits bei zwei Videosprechstunden pro Woche erreicht ist, berichtet die KBV. Dabei rechnet der Ausschuss mit Lizenzgebühren für Videodienste von etwa 100 Euro pro Quartal.

- Videosprechstunde nach GOP 01439: Zusätzlich wird der EBM um die GOP 01439 – analog zur Regelung zum telefonischen Arzt-Patienten-Kontakt erweitert (88 Punkte bzw. 9,27 Euro). Diese gilt aber nur für Fälle, in denen der Patient im Quartal die Praxis nicht persönlich aufsucht. Prinzipiell ist die Videokonsultation bereits mit der Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale abgegolten.

Beide Leistungen sind auf sechs Indikationen begrenzt. Dabei geht es vor allem um die Verlaufskontrolle, etwa von Wunden oder von Bewegungseinschränkungen.

Der Bewertungsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung am 21. Februar noch weitere Beschlüsse gefasst. So können Haus- und Kinderärzte mit diabetologischer Zusatzweiterbildung sowie Facharztinternisten ohne Schwerpunkt ab April nun auch die Anleitung zur Selbstmessung mit Real-Time-Messgeräten zur kontinuierlichen interstitiellen Glukosemessung (rtCGM) abrechnen. Die neue Leistung (je zehn Minuten) ist mit 72 Punkten bewertet. KBV und GKV-Spitzenverband haben sich außerdem auf eine Änderung der Psychotherapie-Vereinbarung geeinigt, die die Reform der Psychotherapie mit neuen Leistungen und Formularen konkretisiert.

Alter und neuer Plan

- Der Beschlussentwurf für die EBM-Ziffern zur Videokonsultation sah beim Technikzuschlag noch eine Mengenbegrenzung von 2393 Punkten pro Praxis und Quartal vor, bei einer höheren Bewertung der Leistung mit 137 Punkten. So hätte die Videosprechstunde pro Praxis und Quartal nur 17,5 Mal erbracht werden können.

- Tatsächlich gilt nun eine Mengenbegrenzung von 1899 Punkten (= 200 Euro) pro Arzt und Quartal. Damit kann jeder Arzt 47,5 Videosprechstunden pro Quartal erbringen. Pro Praxis können es bei mehreren Ärzten also auch mehr Videokontakte sein.

Lesen Sie dazu auch:
Telemedizin: Das bringen die neuen EBM-Positionen zur Videosprechstunde

[28.02.2017, 10:34:23]
Richard Barabasch 
"Da sieht frau/man, was frau/man hat !
Die vorstehenden Diskussionsbeiträge zum Non-Sens-Thema für den bundesdeutschen Krankenkassenpflichtversicherte betreuenden Vertragsarzt BEWEISEN nachgerade, wie schräg die Ansichten und Einsteellungen zu dieser Thematik für die REAL-SITUATION in dieser BRD TAT-sächlich sind ! Die blauäugige realitäts-naive "Einlassungen" des Herrn Steyer beweisen seine Unkenntnis des Krankekassenpflichtversicherten-Vertragsarzt-Alltags, Herr Friedrich berichtet narrativ, wie es in anderen Ländern ist, die ein völlig differentes Krankenbetreuungs-System-Wesen haben und somit in keinster Weise für eine Diskussion hierzulande herhalten können (ausser im "Hätte-wäre-wenn" !) und Herr Günterberg hat den Habitus des üblichen Kassenarztes in Deutschland, der weichgespült sanften Widerspruch gegen NON-SEN erhebt - wenngleich er durchaus auch faktischen Boden betreten hat in seiner Ansage. Es fehlt die EINDEUTIGKEIT bei der Erörterung einer Videosprechstunde, die DERZEIT unter DIESEN BEDINGEN ein tot geborenes Kind für Kassenpatientenbetreuung ist - abgesehen von wenigen Begeisterten Dokter/Innen, die sich ein Hintertürchen irgendwie geöffnet haben, um damit einen realistischen Umsatz zu verdienen, der ja Honorar = ehrenwerte Bezahlung heist,
meint
R.B. zum Beitrag »
[27.02.2017, 15:21:45]
Günter Steyer 
Auch bei technischem Fortschritt müssen die Interessen der Ärzteschaft gewahrt bleiben.
Schon viele Jahre vor dem e-Health Gesetz haben wir als Medizinische Informatiker die stärkere Nutzung von sektorenübergreifender telematischer Vernetzung sowie von Telemedizin gefordert. Deshalb veranstaltet der Berufsverband Medizinischer Informatiker (BVMI) seit 1996 in wechselnder Kooperation die jährliche TELEMED als Fortbildungsveranstaltung zu diesem Thema. In den jetzt mehr als 20 Jahren TELEMED wurden unzählige Telematik-Projekte geplant und teils auch angewendet, die aber nach Ablauf der Förderung wieder "eingeschlafen" sind, weil die Interessen der Akteure ungenügend berücksichtigt wurden.

Nur dann, wenn sowohl für die Patienten als auch für den Arzt bzw. die Gesundheitseinrichtung ein messbarer Nutzen entsteht, werden Telematik und Telemedizin nachhaltig genutzt werden und sich als fester Bestandteil der Regelversorgung etablieren können, so wie das Herr Friedrich richtig für die skandinavischen Länder kommentiert hat. Z.B. werden schon seit vielen Jahren Telemedizin- und andere e-Health-Projekte vom Norwegischen Zentrum für Integrierte Versorgung und Telemedizin (NST) in Tromsø konzipiert, koordiniert und in die Regelversorgung überführt (auch als Dienstleistung für andere skandinavische Länder).

Das ändert aber nichts an der berechtigten Kritik von Herrn Günterberg.
Wenn man im Rahmen der digitalen Transformation des Gesundheitswesens erfolgreich IT-Projekte etablieren will (und das ist die Zukunft, wie ich letzte Woche auch auf der HIMSS in Orlando, dem weltweit größten Kongress mit Ausstellung für IT-Anwendungen im Gesundheitswesen, beobachten konnte), müssen auch entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Interessen der Ärzteschaft gerecht werden.

PD Dr. Günter Steyer

 zum Beitrag »
[27.02.2017, 12:19:41]
Diethard Friedrich 
In Skandinavien besser bezahlt und mehr Möglichkeiten
In allen skandinvischen Ländern und Estland gibt es schon länger Video-Konsultationen. Teilnehmen können sämtliche approbierten Ärzte,Zahnärzte und viele andere Berufe im Gesundheitsdienst, also beispielsweise auch Physiotherapeuten und Diabetes-Beraterinnen u.a. Die finnische Gesundheitsbehörde hat schon 2012 die Richtlinien hierfür festgelegt. Der Patient selbst und nicht der Arzt gibt die gewünschte Konsultationszeit an.Das können auch 20 Minuten und mehr sein. Danach richtet sich der Preis, der zwischen 50 und 150 Euro liegt,je nach vereinbarter Konsultationszeit und nach Ausbildung des Arztes, also ohne Spezialisierung, Facharzt, Dozent oder Professor. Auch Universitäts-Klinikärzte können einen guten Rat geben. Für jüngere Ärzte selbst praktisch und kostenlos. In Finnland gibt es zusätzlich eine Praxis- Grundgebühr für Video-Konsultationen von 10-20 Euro. Ein "Kassenpatient" kann die bezahlte Rechnung einreichen und bekommt dann bis auf 9.90 Euro Eigenanteil alles erstattet.Auch Wiederholungsrezepte können via Mail ausgestellt werden, ausgenommen Opiate und Psychopharmaka. Rezepte via Mail auch direkt zur Apotheke gibt es auch sonst.Die Gebühren werden vorab berechnet und sind auch vorab zu bezahlen.Die Planung der Arztkosten läuft wie bei einer Planung einer Reise via Internet und ist durchaus begreiflich. Jeder weiß also,welche Kosten auf einen zukommen.
Die Nebeneinnahmen der Ärzte werden von der Gesundheitsbehörde indirekt und vom Finanzamt direkt genauesten überwacht. Besonders beruflich stark beanspruchte Menschen nutzen nach Feierabend diesen Dienst und Menschen mit weiten Wegen oder Gebrechliche. Es gibt viele Angebote.  zum Beitrag »
[27.02.2017, 09:28:10]
Klaus Günterberg 
Da verdient der Arzt weniger, als mancher Patient an Fahrgeld spart. Ist der ärztliche Berufsstand schon so herunter gekommen?
Über den Sinn oder Unsinn von Videosprechstunden kann man trefflich streiten. Wenn der Arzt bisher seinen Patienten anrufen musste oder angerufen wurde, griff er einfach zum Telefon. Künftig wird er vielleicht die Video-Telephonie nutzen – Smartphone und Skype machten es möglich. Warum nicht?

Wenn nun aber Videosprechstunden die persönlichen Sprechstunden des Arztes erweitern sollen, sollte man auch über die Arbeitszeit des Arztes, über seine Arbeit und den Wert seiner Arbeit nachdenken:
Zum besseren Verständnis: Die Einnahmen des Arztes, sind nicht sein Einkommen; zwischen Einnahmen und Einkommen stehen Kosten (u. a. für Räume, Ausstattung, Personal und Versicherungen). Bei den niedergelassenen Ärzten sind das ca. 50 % der Einnahmen.

Ja, da ist die „Vergütung“ für die Konsultation des Arztes (GOP 01439 – 88 Punkte bzw. 9,27 €). Damit hätte er bei 9,27 € mehr Umsatz durchschnittlich 4,64 € Mehreinkommen, vor Steuern. Da bekommt der Arzt für seine Arbeit weniger, als mancher Patient an Fahrgeld spart.
Aber man möge einfach auch einmal mit der Vergütung anderer qualifizierter beratender Berufe vergleichen. Da ist die Vergütung für Videosprechstunden für Ärzte in ihrer „Höhe“ zutiefst entwürdigend.

Ist der ärztliche Berufsstand schon so herunter gekommen, dass man glaubt, Ärzte mit solchen Beträgen motivieren zu können?

Dr. Günterberg
Gynäkologe. Berlin
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »