Ärzte Zeitung online, 13.03.2017
 

Kommentar

Prävention mit Konzept

Von Hauke Gerlof

Können sechs Euro als Honorar pro Fall die Darmkrebsprävention voranbringen? Die Frage darf durchaus gestellt werden nach dem Beschluss zur Einführung des immunologischen Stuhltests zur Darmkrebsfrüherkennung als Kassenleistung. Zumal zum Leistungsinhalt eine Beratung vor der Ausgabe des Tests und – bei positivem Befund – eine weitere danach gehören. Als Selbstzahlerleistung bringen die immunologischen Stuhltests aufgrund der erforderlichen Beratung immerhin locker das Dreifache an Honorar.

Und doch: Wer die Systematik des EBM genau betrachtet und Prävention mit Konzept betreibt, kann tatsächlich profitieren: Gerade Hausärzte, die ihre Patienten über Jahre betreuen, können Vorsorgeleistungen zusammenlegen und so an Effizienz gewinnen.

Das gesamte Vorsorgepaket aus Check-up 35, Hautkrebsvorsorge, Krebsvorsorge beim Mann plus Beratung zum iFOBT bringt – so weit bei einem Patienten möglich – einen extrabudgetären Honorarumsatz von mehr als 70 Euro pro Fall. Wenn dann noch kurative Leistungen hinzukommen, sind durchaus anständige Fallwerte erreichbar. Und das mit Leistungen, die gesundheitspolitisch erwünscht sind und für Patienten Sicherheit bringen, dass mögliche Erkrankungen früh erkannt werden.

Der EBM fördert nicht die Einzelleistung, sondern eine konzeptionell durchdachte Betreuung von Patienten. Wer das verstanden hat, kann auch die Darmkrebsvorsorge für sechs Euro erbringen.

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