Ärzte Zeitung online, 31.03.2017
 

Psychotherapie

Ewiger Kreislauf des Streits

Ein Kommentar von Hauke Gerlof

Man kann sagen, was man will: Eine starke Lobby haben die Psychotherapeuten nicht. Nach den Beschlüssen des Bewertungsausschusses werden die psychotherapeutische Akutbehandlung und die Sprechstunde tatsächlich schlechter honoriert als die Richtlinien-Therapie.

Da sollen die Psychotherapeuten ihre Erreichbarkeit verbessern und Zeiten für Sprechstunden freihalten. Aber der zusätzliche Organisationsaufwand wird letztlich nicht vergütet. Es ist schwer nachvollziehbar, warum die Kassen, die fast unisono steigende Kosten durch psychische Erkrankungen beklagen, nicht stärkere Anreize setzen, um die Versorgung ihrer Versicherten zu verbessern. Mit der Verpflichtung, psychotherapeutische Sprechstunden anzubieten und regelmäßig telefonisch erreichbar zu sein, bekommen Patienten vielleicht tatsächlich schneller als bisher Kontakt zu einem Therapeuten. Doch ob das tatsächlich die Wartezeiten etwa auf eine erforderliche Langzeit-Therapie verkürzt, erscheint mehr als fraglich.

Die Psychotherapeuten-Verbände klagen zu Recht über den "ewigen Kreislauf von Rechtsstreitigkeiten und Nachvergütungen". Die Sozialgerichte entschieden zuletzt häufig zugunsten der Therapeuten. Dass sich nun auch noch die KBV den Klagen anschließen will, spricht Bände.

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