Ärzte Zeitung, 18.08.2017
 

Kostenstrukturanalyse

Therapeuten sehen sich bestätigt

Die Kostenstrukturanalyse des Statistischen Bundesamtes findet geteilte Resonanz. Das Zi hält die Daten für ungenau, die Psychotherapeuten sehen ihre Forderung nach gerechterer Honorarverteilung bestätigt.

BERLIN.Nach Vorlage der Kostenstrukturanalyse in Arztpraxen, Zahnarzt- und Psychotherapeutenpraxen ist eine Debatte über das Arzteinkommen entbrannt. Angesichts der gestiegenen Reinerträge sei "schwer nachzuvollziehen, warum Ärzteverbände immer wieder die angeblich schlechte Vergütung niedergelassener Ärzte beklagen", so der Vize-Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg.

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen sieht in den Ergebnissen zwar ein Signal an den ärztlichen Nachwuchs, "dass die Niederlassung in eigener Praxis neben fachlicher Autonomie auch finanziell eine interessante Perspektive bieten kann."

Dennoch bilde die Analyse nicht die Wirklichkeit in allen Praxen ab, sondern sei lediglich eine Durchschnittsbetrachtung. Tatsache sei leider auch, "dass immer noch mehr als zehn Prozent aller Leistungen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht vergütet werden", so Gassen weiter.

Zi unzufrieden mit Auswertung

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) moniert, die Destatis-Daten seien nicht die richtige Grundlage für Honorarverhandlungen. Reine Privatpraxen etwa würden nicht herausgerechnet oder neu gegründete Praxen und solche ohne Angestellte in der Stichprobe kaum enthalten. Auch sage der auf Basis einer Praxis ermittelte Reinertrag nichts aus über das einzelärztliche Einkommen

Folgerichtig wiesen wenige Praxen – "vorwiegend BAG", so das Zi – "einen sehr hohen Reinertrag" aus und Fachgebiete mit hohem Kooperationsanteil kämen auch auf höhere Reinerträge. Zudem trenne das Bundesamt in seiner Aufstellung die Ertragskraft von Arzt- und Psychotherapeuten-Praxen. Das Zi fasse dagegen in seiner Statistik beides zusammen, was den Schnitt sachgerecht verwässere, da die Therapeuten schließlich an der ambulanten Versorgung teilnähmen.

Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) nimmt die jüngsten Destatis-Zahlen denn auch zum Anlass, "krasse Unterschiede" beim Verdienst zu beklagen. Mit 70.600 Euro Reinertrag lägen die Psychotherapeuten "weit abgeschlagen am unteren Ende der Einkommensskala". (ger/cw)

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