Ärzte Zeitung online, 22.09.2017
 

Gesamtvergütung

In den Ländern wird um 79,3 Millionen Euro verhandelt

Die Beschlüsse zum Arzthonorar sind zugleich der Ausgangspunkt für die Honorarverhandlungen in den Ländern. Hier geht es vor allem um die Entwicklung der Morbidität.

Von Hauke Gerlof

In den Ländern wird um 79,3 Millionen Euro verhandelt

Die Veränderungsraten fallen in den verschiedenen KVen sehr unterschiedlich aus. Die Tabelle kann auch hier als pdf heruntergeladen werden

BERLIN. Vor drei Jahren waren es noch 120 Millionen Euro, in diesem Jahr geht es um knapp 80 Millionen Euro: Der Spielraum in den Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen ist in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Bei der Morbidität gibt es in den Regionen offenbar nicht mehr so viel Bewegung wie in den Jahren zuvor.

Hintergrund für die Honorarverhandlungen auf Landesebene ist, dass das Honorar der Vertragsärzte seit dem Jahr 2013 auch an der Entwicklung der Morbidität der Versicherten in einer Region hängt – und an der Entwicklung der Demografie.

Der Bewertungsausschuss von Ärzten und Krankenkassen beschließt dazu anhand der vorliegenden Diagnosedaten aus den Kassenärztlichen Vereinigungen und der Daten zur Demografie zwei Veränderungsraten, die dann als Leitplanken für die regionalen Veränderungsraten der Morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV) dienen.

Mehr Spielraum in den RLV

Kurz gesagt: Steigt die MGV, steht mehr Geld für die Budgets auf KV-Ebene zur Verfügung, die Regelleistungsvolumina (RLV) können über den durch den gestiegenen Orientierungswert erzielten Effekt hinaus wachsen. Auch in KVen, in denen es keine RLV mehr gibt, wachsen die Spielräume für das vertragsärztliche Honorar. Entscheidend für die Morbiditätsentwicklung sind die kodierten Behandlungsdiagnosen.

Saubere Kodierung, mehr Honorar

Wenn die Vertragsärzte sauber nach der aktuellen Version der ICD-10 kodieren und keine Diagnosen verkürzt darstellen oder vergessen, kommt ihnen das also mittelbar beim Honorar zugute. Die reduzierten Veränderungsraten der Morbidität könnten also auch darauf zurückzuführen sein, dass die Ärzte ein stabiles Niveau bei der Kodierung der Diagnosen erreicht haben.

Insgesamt fällt die Entwicklung der Morbidität aufgrund der Behandlungsdiagnosen stärker ins Gewicht als die der Demografie. In Bremen, das in diesem Jahr an der Spitze liegt, haben die Experten eine Veränderungsrate um plus 1,97 Prozent errechnet. Dahinter folgen das Saarland (1,86 Prozent), Sachsen (1,26 Prozent), Sachsen-Anhalt (1,23 Prozent) und Brandenburg (1,16 Prozent).

In den neuen Bundesländern steigt die Morbidität – mit den zwei Ausnahmen Saarland und Bremen – also immer noch etwas stärker als in den alten Bundesländern. Der einzige KV-Bezirk mit einer negativen Morbiditätsentwicklung ist Hamburg: minus 0,36 Prozent.

Die demografischen Effekte sind in der Regel schwächer als die Morbiditätseffekte. In Ballungsräumen mit starkem Zuzug fallen die Raten sogar negativ aus. In diesem Jahr liegen sie zwischen plus 0,25 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und minus 0,36 Prozent in Hamburg.

ICD-10-GM
  • Vertragsärzte kodieren ihre Diagnosen nach der deutschen Version der ICD-10. Sie gilt als weltweit anerkanntes Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen.
  • Die ICD-10-GM (German Modification) wird jährlich angepasst, derzeit gilt die Version 2017.
  • Die kodierten Diagnosen werden zur Beurteilung der Morbiditätsentwicklung herangezogen.

Lesen Sie dazu auch:
Leitartikel: Keine Wahlgeschenke beim Honorar

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