Ärzte Zeitung online, 27.10.2017
 

GKV-Honorar

Sitzen die Laborärzte am Katzentisch?

Die Labormediziner sehen sich beim Honorar mehr und mehr benachteiligt. Der Berufsverband drängt auf eine extrabudgetäre Vergütung.

OLDENBURG. Beim großen Honorarkuchen-Essen sitzen die Laborärzte am Katzentisch. Das hat jedenfalls Dr. Andreas Bobrowski auf der 14. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) in Oldenburg gesagt.

"Das Ende der Nahrungskette sind immer wir", kritisierte der Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte (BDL). Dabei stiegen die Anforderungen an die Labormedizin enorm an.

Die Labormedizin sei ein hoch innovatives Fach mit immer größeren Aufgaben, so Bobrowski. Von den heute üblichen molekularbiologischen Verfahren im Labor habe vor zehn Jahren niemand gesprochen. Dazu komme die steigende Morbidität, kommen anspruchsvollere Patienten, das längere Überleben von chronisch Kranken, die dann häufiger das Labor benötigen.

Auch Tumorpatienten überleben deutlich länger und brauchen häufiger die Bestimmung von Tumormarkern. "Sie sind ein hochsensibles Mittel um Rezidive aufzuspüren, noch vor den bildgebenden Verfahren", so Bobrowski zur "Ärzte Zeitung".

Das Problem: Während die Anforderungen an die Labormedizin an Menge und Qualität ständig stiegen, bleibe das Honorar dahinter zurück. "Aktuell erhalten die rund 1000 Laborärzte in Deutschland im Vorwegabzug für 100 Prozent Leistung nur 91,58 Prozent ihres Honorars", sagte Bobrowski.

Haus- und Fachärzte müssen Geld opfern

"Wenn aber mehr Geld abgefordert wird, müssen Hausärzte und Fachärzte aus ihren Töpfen Geld nachschießen. Weil die Hausärzte die Labormediziner als Fachärzte verstehen, wollen sie diese für sie teure Lösung nicht mehr. Sie wollen einen anderen Trennungsfaktor. Ein ständiger Streit."

Von dem ohnedies knappen Geld gehe auch noch der Wirtschaftlichkeitsbonus an die niedergelassenen Ärzte ab, so Bobrowski. Rund 300 Millionen Euro fließen den Laborärzten jährlich durch den Bonus ab. "Wir geben 12 Prozent unseres Gelds für die Verhinderung von Leistungen aus", kritisiert der Verbandsvorsitzende. "Das ist ein Irrsinn." Tatsächlich erhält der niedergelassene Arzt den Wirtschaftlichkeitsbonus aus dem Vorwegabzug der Laborärzte, wenn er mit den Laboranforderungen besonders sparsam ist.

Bobrowski fordert nun, dieses Geld in die Verbesserung der Laborleistungen zu stecken. "Zum Beispiel könnte zusätzliches Honorar bekommen, wer diagnostische Pfade nutzt", schlägt Bobrowski vor. Oder wer die Präanalytik in seiner Praxis verbessert und zum Beispiel die Proben in einen optimalen Zustand bringt und so an die Labore versendet. So hätten auch die Labore etwas vom Wirtschaftlichkeitsbonus.

Das Mittel der Wahl allerdings, um der Labormedizin mehr Geld zu verschaffen, sei die extrabudgetäre Vergütung, hieß es. Man müsse dazu die Krankenkassen mit an den Tisch holen, um mehr Geld zu verhandeln. Genau diesen Auftrag haben KBV und GKV-Spitzenverband als ein Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018 vom Erweiterten Bewertungsausschuss bekommen.

Was daraus wird, sei allerdings fraglich, so Bobrowski. "Natürlich haben die Kassen Angst, dass ihnen dann die Kosten durch die Decke gehen. Aber wir müssen darüber reden!" (cben)

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