Ärzte Zeitung online, 20.08.2019

Kontrastmittel-Affäre

Verbraucherschützer rufen nach dem Strafrecht

HAMBURG. Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert strafrechtliche und berufsrechtliche Konsequenzen für Ärzte, die Kontrastmittel ohne medizinische Notwendigkeit einsetzen. In der öffentlichen Diskussion wurde nach Auffassung der Verbraucherzentrale bislang zu sehr auf die wirtschaftlichen Folgen einer leichtfertigen Kontrastmittel-Anwendung abgehoben und dabei der Patientenschutz vernachlässigt. Nach Medienberichten sollen Radiologen in mehreren Bundesländern ohne Not Kontrastmittel eingesetzt  haben, nur um hohe Erstattungsmargen zu realisieren.

Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale ist überzeugt, dass kein Patient in die Gabe von Kontrastmitteln einwilligen würde, wenn diese nicht aus medizinischen Gründen erforderlich sei. Er verweist in diesem Zusammenhang auf Paragraf 223 Strafgesetzbuch, wonach der Eingriff in den Körper eines anderen ohne dessen Einwilligung Körperverletzung und damit strafrechtlich relevant sei.

„Sollten die Vorwürfe gegen die Radiologen zutreffen, muss das strafrechtliche und berufsrechtliche Konsequenzen haben“, fordert Kranich. Es müsse im Einzelfall nachgewiesen werden, dass tatsächlich keine Indikation vorgelegen habe, die die Kontrastmittelgabe rechtfertigt. Die Hamburger Verbraucherzentrale macht betroffene Patienten darüber hinaus auf die Möglichkeit aufmerksam, bei nicht ausreichender Aufklärung über die Verwendung der Kontrastmittel Schadensersatz zu verlangen. (di)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Laienreanimation wird wiederbelebt

„Prüfen, Rufen, Drücken“: Der Deutsche Rat für Wiederbelebung hat eine bundesweite Kampagne gestartet, um mehr Laienhelfer zu gewinnen. mehr »

Kabinett beschließt eAU

Die Bundesregierung hat jetzt einstimmig das Bürokratieentlastungsgesetz auf den parlamentarischen Weg gebracht. Darin enthalten: die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. mehr »

Ärztliche Widersprüchlichkeit beim Thema Datensicherheit

Ob die Digitalisierung des Gesundheitswesens gelingt, hängt maßgeblich von den Fähigkeiten aller Akteure ab, die Datensicherheit zu gewährleisten. Doch daran hakt es, wie der Skandal um ungeschützte Radiologie-Daten beweist. mehr »