Ärzte Zeitung, 17.11.2008

Das große Ziel: Gutes tun und Menschen helfen

Die Zugangshürden sind hoch, die Berufsaussichten eher trübe. Trotzdem wollen viele junge Frauen und Männer Medizin studieren. Was treibt sie an, was motiviert sie?

Von Pete Smith

Das große Ziel: Gutes tun und Menschen helfen

Studenten bei einer Sectio: Der Zulauf auf die Studienplätze ist seit Jahren ungebrochen.

Foto: Arte

Das Medizinstudium ist begehrt. Ein Trend, der trotz aller Meldungen über überlastete Klinikärzte und schlecht bezahlte Niedergelassene seit Jahren anhält.

Das große Ziel: Gutes tun und Menschen helfen

"Ich wollte schon immer den Menschen helfen und mit meinem Beruf etwas Gutes tun."
Janina Heil 7. vorklinisches Semester

So gingen für die im Wintersemester 2008/2009 bundesweit angebotenen 8454 Studienplätze Humanmedizin insgesamt 35 393 Bewerbungen ein, das waren statistisch gesehen 4,2 Bewerber je Studienplatz.

Da können die Universitäten kräftig sieben. Denn nur jeder fünfte Platz wird über die Abiturnote vergeben und jeder fünfte über die Wartezeit. Die übrigen Plätze werden von den Hochschulen und der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund gemeinsam zugeteilt.

Unis können Studenten teilweise selbst aussuchen

Im allgemeinen Auswahlverfahren der ZVS liegen die verlangten Abiturnoten je nach Bundesland zwischen 1,0 (etwa Baden-Württemberg) und 1,3 (etwa Schleswig-Holstein). Bei den von den Hochschulen zu vergebenden Plätzen dürfen jene die Höhe der Messlatte bestimmen.

Die Medizinische Fakultät der Universität Münster etwa verlangt einen Notendurchschnitt von 1,2, in Würzburg legt man einen Numerus clausus (NC) von 1,1 zugrunde. Zudem verlangen einige Medizinfakultäten so genannte Motivationsschreiben und den Nachweis, dass Bewerber ihre Universität als erste Ortspräferenz angegeben haben.

Bessere Karten haben an manchen Hochschulen jene Bewerber, die eine einschlägige Berufsausbildung vorweisen können, etwa im Rettungsdienst. Die begehrtesten Studienplätze finden sich an der Berliner Charité, darüber hinaus favorisieren Medizinstudenten die Universitäten München, Greifswald, Göttingen, Heidelberg und Hamburg.

Das große Ziel: Gutes tun und Menschen helfen

"Ich bin schon Industriekaufmann und will später als niedergelassener Arzt arbeiten." Tobias Rivoir 2. klinisches Semester

Trotz der hohen Hürden und den durch zunehmende Budgetierung und Bürokratisierung getrübten Berufsaussichten entscheiden sich anhaltend viele junge Bundesbürger für ein Medizinstudium. Warum? "Weil ich gern einen Beruf ergreifen will, bei dem ich viel mit Menschen zu tun habe und bei dem ich Sinnvolles machen kann", sagt die 23-jährige Angela Wagner, Medizinstudentin in Gießen.

Eine Motivation, die sie mit ihrem Kommilitonen Tobias Rivoir, wie sie im zweiten klinischen Semester, teilt. Der 31-Jährige hat schon eine abgeschlossene Ausbildung als Industriekaufmann hinter sich und freut sich über das weite Spektrum, das ihn in der Medizin erwartet. Trotzdem hat er schon konkrete Vorstellungen über seinen künftigen Beruf: "Ich denke, ich werde mich später niederlassen."

Theorielastigkeit zu Beginn ist oft erschreckend

Janina Heil, 23-jährige Medizinstudentin im siebten Semester, hat vor ihrem Studium bereits Erfahrungen im Rettungsdienst gesammelt. "Ich wollte schon immer den Leuten helfen und mit meinem Beruf etwas Gutes tun", sagt sie. "Und vor allem wollte ich etwas machen, das ich auch bis ins hohe Alter tun kann." Ihr anfängliches Erschrecken über die theorielastige Ausbildung hat sich inzwischen gelegt. "Jetzt geht es langsam mit der Praxis los, jetzt macht es auch Spaß."

Die 23 Jahre alte Gießenerin Jenna Stella, derzeit im zweiten klinischen Semester, musste ein Semester auf ihren Studienplatz warten: Sie hatte eine Abiturnote von 1,8, verlangt wurde ein NC von 1,6. Das hat sie in Kauf genommen. Denn die Medizin, so schwärmt sie, umfasse viele Naturwissenschaften und eröffne vielfältige Perspektiven. Noch fehlt ihr beim Studium die Praxisnähe, "aber ich denke, in der Klinik kommt das dann".

Ihr Kommilitone Marcel Göbel, derzeit im fünften vorklinischen Semester, hält die Medizin "für einen der vielseitigsten, abwechslungsreichsten Berufe, die man machen kann". Normalerweise hätte er ein Semester auf seinen Studienplatz warten müssen, weshalb er sich dazu entschied, zuvor ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren. Auch er will "Gutes tun und Menschen helfen in einer Zeit, die vor allem wirtschaftlich geprägt ist".

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