Ärzte Zeitung, 09.02.2010

Viele Apotheken in wirtschaftlicher Schieflage

Apotheker trifft es als Unternehmer wie Ärzte: Die betriebswirtschaftliche Lage vieler Offizinen in Deutschland ist prekär. Mittel- bis langfristig könnten viele von der Bildfläche verschwinden, prophezeit eine aktuelle Studie.

Von Ruth Ney

Viele Apotheken in wirtschaftlicher Schieflage

Beratung in der Apotheke: Laut einer aktuellen Studie sieht die Zukunft für viele Apotheken in Deutschland nicht rosig aus. © Udo Kroener / fotolia.com

KÖLN. Der Betriebsvergleich, den das Kölner Institut für Handelsforschung (IfH) jährlich kostenfrei anbietet, hat ergeben, dass zurzeit 37 Prozent der 400 teilnehmenden Apotheken über das Jahr hinweg Verluste machen. Betroffen seien Apotheken sowohl auf dem Land, als auch in größeren Gemeinden oder Städten. Dies bestätige den Trend, dass das betriebswirtschaftliche Ergebnis von Apotheken im Schnitt schon seit Längerem rückläufig ist - durchschnittlich 0,5 bis ein Prozentpunkt vom Bruttoumsatz, so der IfH-Bereichsleiter Dr. Markus Preißner.

Viele Apotheken verschleierten dies, indem sie künstlichen Gewinn schafften. "Sie verrechnen die Verluste mit Gewinnen aus anderen Bereichen - beispielsweise Einkünfte aus Vermögensanlagen -, zehren Rücklagen auf und berücksichtigen kalkulatorische Kosten nicht ausreichend", erläuterte Preißner. Dies sei ein typischer Fehler in vielen inhabergeführten Unternehmen und komme ebenso bei Ärzten vor.

Anhand einer Gruppe von 125 Apotheken, aus denen genaue Zahlen zu abgegebenen Arzneipackungen auf Rezept oder als OTC vorlagen, errechneten die Marktforscher zudem, wie sich eine Reduzierung des Apothekenhonorars auf die Rentabilität auswirken würde. In der vergangenen Woche hatte nämlich der Bremer Gesundheitsökonom Professor Gerd Glaeske geäußert, dass 4,80 Euro anstelle von bisher 5,80 Euro pro rezeptierter Packung ausreichend zur Finanzierung der Distributionskosten in der Apotheke seien und so Einsparungen in Höhe von 610 Millionen Euro ermöglichten.

Nach den IfH-Daten wären die Folgen für die Apothekenlandschaft jedoch dramatisch. Von den 125 Apotheken wären dann 53 Prozent nicht rentabel. 35 Prozent der zuvor rentablen Landapotheken und 30 Prozent der zuvor rentablen Stadtapotheken wiesen nun ein negatives Betriebsergebnis auf. Dies hätte zwar nicht zwangsläufig die Schließung aller betroffenen Apotheken zur Folge. Schließlich könnten durch den Wegfall einiger Konkurrenten die Umsätze anderer Apotheken wieder steigen. Aber vor allem auf dem Land würde das Apothekennetz vermutlich stark ausgedünnt und die Versorgungssituation verschlechtert, so die Marktforscher. In einem Beitrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bestätigte Ulrich Laut, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Hessen, die schlechte wirtschaftliche Situation vieler Apotheken. Der Jurist sieht ebenfalls ein Drittel bis ein Viertel der 1600 selbstständigen Apotheker in Hessen in einer kritischen wirtschaftlichen Situation.

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